Maker Faire 2016 Berlin


Basteln für Fortgeschrittene

Das Wort „maker“ hat im Deutschen keine recht passende Entsprechung. Am ehesten noch Bastler oder Tüftler, doch das hört sich immer ein wenig nach pensioniertem Sachbearbeiter an, der seine Tage mit der Modelleisenbahn im Hobbykeller verbringt, damit er seiner Frau nicht auf die Nerven geht, die sich gleichzeitig der Herstellung mehr oder weniger hübscher Tischdeckchen widmet. Dieses Bild ist jedoch nicht nur wegen seines grauenvoll antiquierten Geschlechterbildes falsch, sondern vor allem weil die maker-community sehr viel mehr ist. Hier versammeln sich alle, die Freude am Bauen, Entwerfen und Erforschen finden, und die sich dabei nicht auf die festgelegten Pfade beschränken wollen, die einem der gute alte KOSMOS Baukasten liefert. Das sind echte Hightech-Bastler, hier werden nicht einfach nur ein paar Wohnzimmerlampen zusammengelötet, sondern ganze Roboter konstruiert, Fahrzeuge gebaut und designed was das Zeug hält. Was all die Maker eint, egal aus welcher Schicht oder Altersgruppe sie kommen ist ein tief verwurzelter Wunsch, zu verstehen wie Dinge funktionieren und sich nicht mit vorgegebenen Lösungen zufrieden geben.

3D-Printer auf der Maker Faire

3D Drucker waren auf der Maker Faire allgegenwärtig. Hier wird gerade ein kleiner Roboter aus rotem Kunststoff gedruckt. Am rechten Rand kann man die Spule mit dem Ausgangsmaterial sehen.

In den vergangenen Jahren sind vielerorts sogenannte Maker-Spaces entstanden. Orte mit allerlei Maschinen, die gemeinsam genutzt werden und einem unfassbar großen Reservoir an Wissen und Fertigkeiten. Eng verknüpft ist diese Bewegung mit dem open-source Gedanken, dass heißt Fehler und Erfolge werden gerne geteilt, damit andere aus Ihnen lernen und das jeweilige Projekt voranbringen können. Das seit einigen Jahren auch auf deutsch erscheinende Maker Magazin hat am vergangenen Wochenende nun zum zweiten Mal zur Maker Faire geladen, einer Messe für alle Tüftler, Bastler und sie mit einzelteilen versorgenden Unternehmen. Das Wort „Messe“ ist allerdings etwas irreführend, da hier nicht hauptsächlich Firmen Ihre neuen Produkte vorstellen – obwohl es die auch gab – sondern sich Gleichgesinnte treffen, Projekte vorstellen und vor Ort weiter entwickeln.

larp costume at maker faire berlin 2016

Kostüm einer Truppe vpn Live-Rollenspielern (LARP)

Megatrend 3D Druck

Bis noch vor wenigen Jahren wurde über 3D-Drucker unter dem Stichwort Rapid Prototyping über Maschinen für mehrere 10.000 € berichtet. Bis die Firma makerbot 2009 den ersten open-source Drucker für unter 1.000 $ vorstellte. Seitdem scheint Eingeweihten klar, dass in diesem Bereich die Vierte industrielle Revolution darauf lauert unseren Alltag und unsere Wirtschaft in ähnlich drastischer Weise zu verändern wie das Internet in den vergangenen 10 Jahren. Mittlerweile gibt es haufenweise kleine erschwingliche 3D-Printer,die mit immer höherer Auflösung immer schneller, immer komplexere Formen darstellen können. Das Standardprinzip beruht aus Spulen aus Kunststof-Draht, die erhitzt werden und über feine Düsen schichtweise ein Modell ausdrucken. Websites wie thingiverse bieten dabei all jenen, die keine eigenen digitalen Modelle erstellen können eine riesige Auswahl an Projekten. Eine andere derzeit noch deutlich teurere Methode erlaubt durch den Einsatz metallischer Pulver, die mittels Laser gesintert werden auch Werkstücke aus Kupfer oder Aluminium. Auf der Maker Faire 2016 in Berlin waren nicht nur diverse Hersteller vertreten, auch viele Makerspaces oder andere Aussteller hatten einen Drucker am Stand, um ggf. neue Teile sofort ausdrucken zu können.

Selbstfahrendes Kastanienauto mit Handantrieb!

Mein absoluter Favorit auf der 2016er Maker Faire Berlin: das Selbstfahrende Kastanienauto mit Handantrieb!.

Arduino auf der Makerfaire

Ein weiterer Grundbaustein der Community sind die Arduino Controller, eine offene (open source) Hardware- und Software-Plattform mit deren Hilfe sich so ziemlich alles bauen lässt und um die herum sich eine einzigartige weltweite Community entwickelt hat. Viele der Projekte sind auf den ersten Blick vielleicht Spielerei (zumindest aus Sicht eines technisch komplett unbegabten Stadtführers, der schon wahnsinnig stolz war, als er mal ALLEINE eine Festplatte ausgetauscht hat). Auf den zweiten Blick ergeben sich aber häufig ganz praktische Anwendungsmöglichkeiten. Je länger ich mich zwischen all diesen technisch versierten, begeisterten und kreativen Menschen bewege, umso größer wird mein Optimismus und ich stelle mir vor, wie es wäre wenn wir unsere Welt ein kleines bisschen mehr und offizieller den Geeks und Nerds übergeben würden.

Da mir sowohl die technische Expertise als auch das Vokabular fehlt wirklich fundiert über einzelne Projekte zu berichten, gibt es jetzt einfach eine kleine Bildergalerie:

Robo Cup Roboter auf der Maker Faire Berlin 2016

Teilnehmer des Robo Cup, einer Roboter Fussball-Liga im Kreise seiner Mannschaft.

Berliner Bär aus dem 3D Drucker auf der Maker Faire Berlin 2016

Beim Sintering erhitzt ein Laser metallische Pulver, so späzise, dass sich auch so filigrane Werkstücke herstellen lassen, wie zum Beispiel diese Vorbau-Verzierung in Form eines Berliner Bären aus Aluminium.

Kayak Gerüst am Stand von Urban Indian auf der Maker Faire Berlin.

Urban Indian (http://www.urbanindian.org) veranstaltet Selbstbaukurse für Kayaks und Kanus in Schöneweide. Kaufen kann man die schönen Stücke auch.

Monduhr

Die Monduhr projiziert einen Mond an die Zimmerwand- oder -decke, dessen Position einem sofort verrät wie spät es ungefähr ist, wenn man mitten in der Nacht aufwacht. So weiß man sofort, ob’s sich lohnt noch mal einzuschlafen.

Radio-controlled R2-D2 at Maker Faire 2016 Berlin

R2-D2 und alles was sonst noch mit StarWars zu tun hat gehört zu den Lieblings-Projekten von Makern weltweit. Bei der Maker Faire 2016 in Berlin war sogar der R2 Builder’s Club vor Ort.

Axiom Filmkamera Bausatz auf der Maker Faire

Axiom hat es sich zum Ziel gesetzt kostengünstige Filmkameras aus Standard-Komponenten zu bauen. Die Preise variieren je nachdem ob man die Geräte selbst zusammen baut oder fertig haben möchte zwischen 2.500 und 4.000, was etwa einem Zehntel dessen entspricht was Kameras von ARRI kosten, obwohl die Sensor-Technologie exakt die gleiche ist. Die gezeigte Kamera bringt bis zu 300 fps bei einer 4K-Auflösung.

BB1 Prjekt mit Deorollern als Kugellager.

Auch wenns noch nicht sieht, das ist ein weiteres StarWars Projekt. Nach Fertigstellung wird das einer dieser kugelrunden Knutschroboter aus dem letzten Film. Toll fand ich hier vor allem die zu Kugellagern umgebauten Deo-Roller.

Wastelander auf der Maker Faire Berlin
Ein superspannendes Projekt für Entwicklungs- und Schwellenländer war die 1$-Brille aus gebogenem Draht.

Ein superspannendes Projekt für Entwicklungs- und Schwellenländer war die 1$-Brille aus gebogenem Draht.

Raul Krauthausen auf der Maker Faire Berlin 2016

Workshop zur Entwicklung neuer Tools, die Rollstuhlfahrern das Leben einfacher machen sollen mit dem Aktivisten und Journalisten Raul Krauthausen.

Typografisches Berlin

Eine nette Spielerei, die man auch gelegentlich auf Flohmärkten trifft sind diese typografischen Landkarten bzw. Stadtpläne.

Ringe schmieden auf der Maker Faire 2016

An einem Stand konnten Besucher Ringe schmieden.

Miniatur Windkanal mit einem Modellauto.

Um seiner Tochter das Segeln beizubringen hat ein Vater diesen Mini-Windkanal gebaut.

Auto mit Legosteinen auf der Maker Faire Berlin 2016

Klar, darf Lego auf einer Tüftlermesse nicht fehlen.

Awesomeness in Progress

Bitcraze liefert Bausätze für Drohnen-Copter in verschiedenen Größen. Mit Hilfe eines Satzes Sensoren bzw. Positions“lichtern“ können diese selbstständig in einem von diesem Zubehör gesteckten Rahmen navigieren.

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