Site Inspection: Spy Museum Berlin


Hauptstadt der Spione

[Update] Zwischenzeitlich hat die Betreiber-Gesellschaft Insolvenz angemeldet, der Betrieb des Hauses läuft aber weiter. Darüber hinaus scheint es noch ein bißchen Durcheinander bzgl. der Namensrechte zu geben. Mittlerweile heißt das Museum offiziell „Deutsches Spionage Museum“ und hat auch eine neue Internet-Adresse bekommen.

Auch wenn sich keiner traut Zahlen zu nennen, darüber dass Berlin nach dem Mauerbau zur Welthauptstadt der Schlapphüte wurde, ist man sich einig. Schließlich war Berlin DAS Schlachtfeld im Kalten Krieg. Hier haben Amerikaner die Russen ausspioniert, Russen den Franzosen auf die Finger geschaut, Briten haben Nachforschungen über die Deutschen angestellt und gelegentlich standen sich die Agenten einfach nur gegenseitig auf den Füssen rum, kurz eigentlich hat hier Jeder Jeden bespitzelt. (Langsam gehen mir die Synonyme aus.)

Was liegt also näher als Berlin zum Standort von Deutschlands einzigem Spionagemuseum zu machen und sich dafür einen Standort direkt im Epizentrum der Teilung in Ost und West zu suchen. Gefunden haben die Initiatoren des Museums diesen Standort direkt am Leipziger Platz, mitten im ehemaligen Todesstreifen. Auf insgesamt 3.000 m2 wird die Geschichte des Bewahrens und Aufdeckens von Geheimnissen erkundet, von der Antike bis in die Gegenwart. Das 20. Jahrhundert nimmt hierbei naturgemäß eine herausragende Stellung ein. Erfreulicherweise bleibt man hierbei weitestgehend neutral und wertfrei, stellt vielmehr die technische Entwicklung und die einzelnen Protagonisten in den Vordergrund.

Wo es um Spione geht sind James Bond und seine Gespielinnen nicht fern, hier im Bild Ursula Andress.

Wo es um Spione geht sind James Bond und seine Gespielinnen nicht fern, hier im Bild Ursula Andress. Spy Museum Berlin

Edutainment

Dem modernen Museums-Verständnis,  zumindest vieler privat finanzierter Häuser folgend, wird viel Wert auf Interaktion und spielerische Wissensvermittlung gelegt. Hinzu kommt, dass unsere Vorstellung vom Spionage-Geschäft so sehr von Romanen und Filmen geprägt ist, so kommt einem etliches irgendwie bekannt vor. Die Macher nutzen dieses Gefühl und bieten einem an verschiedenen Stellen die Option selbst in die Rolle eins Meisterspions zu schlüpfen. Bestes Beispiel ist der Laser-Tunnel. Man kennt das spätestens aus Mission:Impossible: ein Raum durchzogen von den Laserstrahlen diverser Bewegungsmelder will durchquert werden, um die Beute oder die geheimen Pläne der finsteren, nach Weltherrschaft strebenden Geheimorganisation XY an sich zu nehmen. Leider war am Tag unseres Besuchs die Nebelmaschine kaputt, so dass unsere „Nicht-Ganz-Profi-Kamera“ das leider nur in einer Reihe von Standbildern einfangen konnte.

mission-impossible

Auch zu  der ausgestellten Enigma – eins der letzten verbliebenen Originale – gehören zwei Monitore an denen man sich selbst verschlüsselte Nachrichten schicken kann. Direkt daneben steht eine der Videostationen, an denen ehemalige Spione oder Verwantwortliche aus dem Nähkästchen plaudern. Ohne jetzt jedes einzelne Exponat aufzuzählen; es gibt reichlich zu entdecken und auszuprobieren. Bislang ist es in dem Museum auch noch relativ ruhig, so dass man in der Regel nicht wird lange warten müssen, um eine Installation auszuprobieren.

Einziger Wermutstropfen sind die ziemlich saftigen Eintrittspreise (s.u.), deswegen schauen wir aktuell ob wir Sonderkonditionen für unsere Gäste herausschlagen können, als Ergänzung z.B. unserer Mauer-Radtouren.

Die Giftküche im Spy Museum Berlin.

Die Giftküche im Spy Museum Berlin.

Infos zum Deutschen Spionage Museum am Potsdamer Platz:

Spy Museum Berlin

Leipziger Platz 9

10117 Berlin

U-/S-Bahn Potsdamer Platz (Stadtplan)

Geöffnet täglich von 10 – 20 Uhr.

Eintritt 18 €/14 €, Gruppenpreise z.B. für Schulklassen ab 10 Personen 9 €.

Weitere Artikel zu Berlins vielfältiger Museums-Landschaft findet ihr hier.

berlin-on-bike-im-spy-museum-3993

Der Fall Rainer Rupp kam kürzlich im Zuge der Ausstrahlung von „Deutschland ’83“ zu einiger Bekanntheit. Die Serie ist übrigens sehr sehenswert, obwohl sie bei RTL offensichtlich nicht die richtige Zielgruppe fand.

berlin-on-bike-im-spy-museum-3987

Manche der ausgestellten High-Tech-Exponate wirken in Zeiten ferngesteuerter Drohnen und Kameras in Stecknadelgröße etwas altbacken, waren zu Ihrer Zeit aber das absolute non-plus-ultra in Sachen Überwachung.

2 Responses to “Site Inspection: Spy Museum Berlin”

  1. MikeM

    Faszinierendes Museum zu dem Thema unserer Zeit. Auch wenn die Spionage sicherlich, wie ich aus dem Museum u.a. mitgenommen habe, wohl das zweitälteste Gewerbe der Welt ist 😉
    Wir waren als Familie dort und hatten alle viel Spaß. Für die Jungs war natürlich der Laserparcours und Bondbereich das spannendste, aber ich denke, sie haben beide viel an Wissenswertem zur Geschichte, gerade auch des Kalten Krieges, mitgenommen. Was in anderen Museen, die oft ein wenig eingestaubt wirken und mit der Technik nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand, leider nicht gelingt. Das SPY MUSEUM ist sicherlich das modernste, das wir seit langem gesehen und besucht haben. Hier konnte man auf den Touchscreens u.a. die vielen Exponate aus den Vitrinen 360° drehen udn bekam viel zusätzliche Infos, wie z.B. Filme über den Einsatz, zu sehen. Das habe ich in noch keinem anderen Museum so erlebt. Fazit: SEHR EMPFEHLENSWERT. Für die ganze Familie.

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