Die BoBs im DHM: Museumssaison eröffnet


Sonderausstellung zur Leipziger Völkerschlacht im DHM

Der Winter ist für uns immer eine gute Gelegenheit, sich ein bisschen weiterzubilden, und Vergessenes wieder aufzufrischen. Aus diesem Grund treffen wir uns in wechselnder Zusammensetzung und nicht so regelmäßig, wie wir es uns vornehmen, zum gemeinsamen Museumsbesuch. Zum Auftakt stand in diesem Jahr das Deutsche Historische Museum auf dem Programm, genauer gesagt die Sonderausstellung „1813 auf dem Schlachtfeld bei Leipzig“. Diese beschäftigt sich wie der Name schon vermuten lässt, mit der bis dahin größten militärischen Auseinandersetzung der Menschheitsgeschichte, bei der insgesamt eine halbe Million Soldaten das Ende des napoleonischen Zeitalters einläuteten, das mit der Schlacht bei Waterloo im Jahr 1815 endgültig besiegelt wurde. 

eingang-dhm-neubau-pei

Übergang vom Zeughaus in den Neubau des DHM. Entworfen wurde der Anbau von dem amerikanischen Architekten IM Pei, dessen Baauftragung ohne Wettbewerb noch durch Helmut Kohl durchgesetzt wurde.

Erstes positives Erlebnis: wir konnten nach einigem guten Zureden das Kassenpersonal davon überzeugen, dass wir als Stadtführer nicht den vollen Eintrittspreis zahlen.  Nicht so schön: man durfte nicht fotografieren, deswegen im Folgenden nur offizielle Pressebilder.  Die Ausstellung versteht sich als ein Rundgang durch ein Gemälde. Ausgangs- und Endpunkt aller Exponate ist das Gemälde „Siegesmeldung nach der Schlacht bei Leipzig“ des hessischen  Malers Peter Krafft.

ausstellung-voelkerschlacht-gemaelde-krafft

Siegesmeldung nach der Schlacht bei Leipzig von Peter Krafft. Entstanden nach 4 Jahren Recherche, in denen wirklich so ziemlich jede der abgebildeten Gestalten einmal Modell gesessen hat. Der Zar, Kaiser Franz und Friedrich Wilhelm III. nehmen die Siegesmeldung des habsburgischen Generals entgegen. © Stiftung Deutsches Historisches Museum

Ein schönes Stück Propaganda, das die Toten dieser Schlacht geflissentlich ausblendet (knapp 90.000 in drei Tagen) und ein bisschen den Eindruck erweckt, als hätten die Habsburger die Schlacht ganz alleine gewonnen. Um so peinlicher ist, dass Kaiser Franz sich zum Zeitpunkt der Siegesmeldung schon erschöpft zurück gezogen hatte.

Details des Bildes werden zum Ausgangspunkt eines einzelnen Aspektes der Ereignisse aus dem Herbst 1813 – Sieger, Besiegte, Soldaten, Offiziere, Technik etc. – um sich dann aus einer bestimmten Perspektive wieder zu einem Ganzen zusammen zu fügen. Ich bin mir nicht sicher, ob sich das uns ohne unseren Guide (großartig: Phillip) so ohne Weiteres erschlossen hätte, aber insgesamt eine interessante museumspädagogische Vorgehensweise. 

Guides von Berlin on Bike als Gäste zu haben, ist immer eine ziemliche Herausforderung: laut, fröhlich und mit genug Fachwissen, um so richtig schwierige Fragen zu stellen.  Phillip wusste auf eigentlich alles eine Antwort und hat enorm Pluspunkte gesammelt, weil er nicht nur den Namen von Frau Knudsens Ur-Ur-Ur…Ur-Ur-Opa kannte sondern gleich noch erklären konnte, wie es dazu kam, dass ein russischer General einen französischen Namen führte. Es gibt so eine Gattung Museumsbesucherm meist fortgeschrittenen Alters mit hohem Bildungsstandard, für die gehören Spaß und Bildung auf jeden Fall getrennt. Das war für uns die Gelegenheit, sich ein wenig unbeliebt zu machen. Wir haben es doch glatt gewagt nicht nur während der Führung zu lachen, wenn was lustig war, sondern am Schluss auch noch zu klatschen, wahrscheinlich war das Klimpern des Trinkgeldes auch noch zu laut….

standarte-napoleon-voelkerschlacht

Besonders tapfere Truppen haben von Napoleon persönlich spezielle Standarten verliehen bekommen, auf denen neben den Regimentsabzeichen auch die Symbole der napoleonischen Herrschaft gar nicht oft genug abgebildet sein konnten. Neben dem „N“ im Kreis vor allem die Biene. © Stiftung Deutsches Historisches Museum

Fazit: interessantes Konzept, toller Guide und eine schöne, kleine Sonderausstellung. Ehrlicherweise muss man zugeben, dass das gesamte DHM ein bisschen was für History-Nerds ist, aber hier findet sich wirklich ein guter Zugang zu dieser für Europa so wichtigen Zeit. Abgesehen davon gehört gerade der moderne Anbau hinter dem Zeughaus zu den modernen Bauten in Berlin, die man sich mal anschauen sollte. Im Gegensatz zu vielen anderen Nachwendeprojekten ist das Werk I.M.Peis  nahezu unumstritten in Berlin. Einzig der Architekt war nicht ganz zufrieden.

Bis zum 16. Februar, Eintritt 8€, öffentliche Führungen jeweils Sa, So und Mo für 4€ extra. 

Unter den Linden 2, direkt am Festungsgraben, gegenüber von der Museumsinsel.

Viel Spaß & Ride Safe

Sascha

Kommentieren

  • (will not be published)

Sicherheitsabfrage *