Asisi panorama: The Wall


360° Berliner Mauer

Die Geschichte der Teilung Berlins ist zu einem nicht unerheblichen Anteil dafür verantwortlich wie die Stadt heute aussieht und tickt. Auch für den Tourismus ist dieser Teil unserer Vergangenheit nicht zu vernachlässigen. In Kombination mit den Hinterlassenschaften der Nazi-Diktatur ist das Gedenken an die Mauer zentraler Bestandteil jeden Berlin-Besuchs – zumindest des ersten, wiederkommen tun die Leute in der Regel dann eher wegen des lässigen Lebensgefühls. Die Stimmungslage ist hierbei an den einzelnen Orten ganz unterschiedlich. Während es in der Bernauer Straße und im Tränenpalast grundsätzlich sachlich zugeht und die zum Teil doch sehr beklemmenden Aspekte und Schicksale im Vordergrund stehen, wird an der Eastside Gallery so wenig erklärt, dass viele Gäste denken, das sah da schon immer so aus. In den beiden Museen zum Alltag in der DDR gibt man sich ganz dem Edutainment hin und schrickt im Einzelfall auch vor einem Schuss Ostalgie nicht zurück. Der ehemalige Checkpoint Charlie steht dafür ein bisschen im Verdacht der Disneyfikation. Außer der letzten roten Fahne vom Kreml, die an der Außenwand des Museums „Haus am Checkpoint Charlie“ hängt, ist hier so gut wie nichts echt. Die Baracke nicht, die Uniformen der Grenzsoldaten-Darsteller nicht und von der ursprünglichen Mauer ist auch nix mehr zu sehen. 

Asisi Panorama am Checkpoint Charlie mit Radfahrern

© asisi

 

Aber, der Weg in die Friedrichstraße lohnt trotzdem. Ein Grund dafür ist die exzellente Fotoausstellung die auf einem Bauzaun angebracht ist, ein weiterer das Asisi Panorama, das hier seit 2012 steht. Verborgen in einem Gebäude, das ein wenig an ein Gasometer erinnert, kann man hier eintauchen in eine typische Kreuzberger Straßenszene in den 80er Jahren. Im Grunde ist das gesamte Innere des Hauses eine mehr als 900m2 große Leinwand, die den Blick von der Sebastianstraße aus darstellt. Das Interessante an dieser speziellen Straße war, dass die Situation ganz ähnlich wie in der Bernauer war – bloß umgekehrt; die Häuser standen im Westen und der Bürgersteig und die Straße waren offiziell schon Ost-Berlin. Netterweise hat die DDR die Mauer dann in der Mitte der Straße errichtet. So konnten die Leute weiter ihre Häuser betreten und verlassen, wobei sie aber auch jeweils das Land gewechselt haben. Postboten, Sanitäter und Polizei – alle staatlichen Vertreter des Klassenfeinds- durften die Straße nicht betreten, Briefkästen gab es nur um die Ecke. Vielen fällt heute schwer nachzuvollziehen, dass  Kreuzberg nicht nur ziemlich runtergerockt, sondern im Grunde genommen Stadtrand war und sich auch so angefühlt hat. Kurzum eine Situation so absurd wie Vieles, rund um den antifaschistischen Schutzwall, den angeblich keiner beabsichtige zu bauen. Ebenso schwer nachzuvollziehen ist für Viele, wie normal das war. Ich bin 1974 im Westen geboren und habe mir ehrlich gesagt kaum einmal Gedanken über die Mauer gemacht. Sie gehörte für mich Zeit meines Lebens einfach dazu, und im Grunde genommen, war für mich damals hinter der Mauer nicht einmal mehr richtig Berlin. Ja klar, ich wusste, dass das zusammengehört, aber erstens hat es sich so nicht angefühlt und zweitens, war das für meinen Alltag völlig unerheblich. Greifbarer war da schon die schlechte Luft, wenn der Wind mal aus Osten kam – aber in den 70er und 80er Jahren war das Thema Luftreinhaltung auch für die Menschen im Westen weit weg. Es gab ein paar Situationen in denen sich die Absurdität dieser Teilung aber auch einem notorisch gelangweilten Teenager aufgedrängt hat; Zollkontrollen in der S1 zum Beispiel oder die Transitfahrten bei jedem Urlaub.

 

Nachdem ich mich nun so schön hab ablenken lassen, sollte ich doch noch ein paar Worte zum Asisi-Panorama verlieren. Der Blick ist wie von einer der typischen Aussichtsplattformen die es im Westen quasi als Gegenstück zu den Beobachtungstürmen der Grenztruppen gab.  Von rechts rücken die Luckauer und die Dresdener Straße ins Bild, direkt vor der Mauer schrauben welche an Ihrem Auto, irgendwo sitzen ein paar Punks vor Ihrem besetzten Haus und geradezu breitet sich der Todesstreifen nach rechts und links in die Unendlichkeit aus. Immer im Hintergrund der Fernsehturm.  Insgesamt ein schönes Wimmelbild, in dem es viel zu entdecken gibt und der das Lebensgefühl in der Grenzstadt gut einfängt. Entstanden ist das Panorama aus 1.000en Photografien, Zeichnungen und Computergrafiken, was man dem Endprodukt aber nicht ansieht. Eine Ausstellung im Vorraum gibt einen Überblick über die Geschichte und Erläuterungen zu den einzelnen Abbildungen und kleinen Geschichten von Zeitzeugen. Aus meiner Sicht führt für den geschichtlich interessierten Berlinbesucher kein Weg an der Bernauer Straße vorbei, aber das Panorama ergänzt das offizielle Mahnmal um eine andere Perspektive, die man sich spielerisch erarbeitet.

Info Asisi Panorama

Öffnungszeiten 10-18 Uhr

Preise 4-10 €

Gerne arrangieren wir im Rahmen einer privat gebuchten Mauertour einen Besuch des Asisi-Panoramas zum Vorzugspreis.

Die Bilder wurden uns freundlicherweise vom Betreiber zur Verfügung gestellt und gehen auf den Fotografen T.Schulz zurück 

 

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