Ein Traum von der Spree; das Flussbad Berlin


Das Flussbad Berlin wird gebaut

tl;dr: Nach jahremlangem Stillstand haben Bund und Land insgesamt 4 Millionen Euro. zur Errichtung eines 750m langen Flussbads mitten im historischen Zentrums Berlins bewilligt. Zwischen Fischerinsel und Bodemuseum soll man bald schwimmen können. Es weiß zwar überhaupt noch Niemand wie das genau gehen soll oder was es kostet, aber wir freuen uns trotzdem schon mal.

Allein den Gedanken auszusprechen “Baden in der Spree – am Lustgarten, und danach ein Eis auf der großen Freitreppe gegenüber vom Zeughaus” macht ein wohliges Gefühl und lässt einen von lauschigen Sommerabenden mitten im historischen Stadtkern träumen.

Übersicht Flussbad Berlin

Schon 1997 begannen die Brüder Tim und Jan Edler, gemeinsam mit Denise Dih diesen Traum zu träumen. Da alle drei Architekten waren wurde die Idee im Rahmen einer Vereinsgründung der Öffentlichkeit vorgestellt, auch wenn das Projekt danach erst einmal wieder 13 Jahre in der Schublade verschwand. Aber Was genau ist denn da in der Schublade verschwunden und warum springt diese Schublade 2011 auf einmal mit mächtig Schwung wieder auf.

Grob gesagt besteht das Projekt aus drei Teilen:

Am süd-östlichen Ende der Spreeinsel, dort wo die Hochhäuser der Fischerinsel stehen soll der schon vor Jahrhunderten befestigte Altarm der Spree renaturiert werden, mit Grünflächen umbaut und als natürlicher Überschwemmungspuffer genutzt werden. Bereits hier findet eine erste Klärung der Abwässer statt.

 

Querschnitt durch den "Altarm" des künftigen FLussbad Berlin auf  Höhe der Fischerinsel.

Querschnitt durch den “Altarm” des künftigen FLussbad Berlin auf Höhe der Fischerinsel.

Entlang der Friedrichsgracht mit den Bauten des Außenministeriums soll ein Filterbereich eingerichtet werden, der das mechanisch weiter reinigt. Dieser Filter liegt etwa anderthal Meter über dem sich anschließenden Schwimmbereich

Auf Höhe des Außenministeriuims entlang der Friedrichsgracht ist der Filterbereich des Flussbad Berlin geplant.

Auf Höhe des Außenministeriuims entlang der Friedrichsgracht ist der Filterbereich des Flussbad Berlin geplant.

Über insgesamt 750 m erstreckt sich der Swimmingpool”, vorbei am Stadtschloss/Humboldtforum, entlang des Lustgartens bis zur Spitze der Museumsinsel am Bodemuseum. Vor dem Schloss und am Lustgarten laden große Freitreppen zum Verweilen und sanften Einstieg und im Sockel des ehemaligen National- und künftigen Einheitsdenkmals an der Schlossfreiheit werden Umkleidekabinen eingerichtet, die einen etwas unauffälligeren Zugang zu Wasser bieten.

Auf Höhe des Lustgarten befindet sich eine von zwei Freitreppen die den Zugang zum Flussbad ermöglichen sollen.

Auf Höhe des Lustgarten befindet sich eine von zwei Freitreppen die den Zugang zum Flussbad ermöglichen sollen.

Ein durchgängiger Überlaufkanal soll bei Starkregen sicherstellen, dass erst gar kein schlimm verschmutztes Wasser in das System eingeleitet wird. Oben drauf kommt dann noch ein begeh- und womöglich sogar befahrbarer Steg. So dass wir in wenigen Jahren immer auf dem Wasser fast die gesamte Spree-Insel entlang wandern können.

Bis 2011 waren das alles nicht mehr als halbwegs ausgegorene, schöne Ideen mit ein paar interessanten Visualisierungen. Dass das Thema Wasserqualität überhaupt verstärkt in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird ist unter anderem auch Ralf Steeg und seinem Konzept Spree 2011 zu verdanken. Nach mehrjähriger Forschungsarbeit an und mit der TU-Berlin stellte Ralf 2006 ein im Grunde genommen ebenso geniales wie einfaches Konzept vor. Riesige im Fluß verankerte Rückhalteröhren sollen das anfallende Regen-Abwassergemisch so lange zwischenspeichern bis man es kontrolliert zu den jeweiligen Klärwerken leiten kann. Oben drauf könnte man nach seiner Vorstellung Gärten, Cafés oder sogar Campingplätze einrichten.  Nach seinen Berechnungen würden schon ein gutes Dutzend dieser Systeme in wenigen Jahren für Badewasserqualität in ganz Berlin sorgen.

Eine Pilotanlage geht 2012 gegen enorme Widerstände an der Oberbaumbrücke in Betrieb. Weltweit erzeugt die Idee ein großes Echo aber die Wasserbetriebe setzen derweil weiter auf deutlich teurere unterirdische Konstruktionen.

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Etwa zur gleichen Zeit nimmt das Projekt Flussbad Berlin Form an, weitere Leute werden ins Boot geholt, Planung und Visualisierungen werden konkretisiert und aufgehübscht und die Teilnahme an Wettbewerben zu Architektur und Nachhaltigkeit zeigt erste Erfolge. Die Presse berichtet, aber in der Lokalpolitik zweifeln die meisten noch an der Machbarkeit und so passiert außer der Vereinsgründung Ende 2012 erst einmal wenig Konkretes.

Ende 2013 stößt Ulrike Rose als Koordinatorin zum Verein, Rose die auch von allen so genannt wird hat langjährige Erfahrung in leitenden Stellen bei diversen Stiftungen und bringt neben Kommunikationstalent vor allem enorm viele Kontakte mit. Bisher rein ehrenamtlich redet Rose mit Politikern, Presseleuten und dem Denkmalschutz. Und auf einmal nimmt die Sache fahrt auf, Mitte 2014 bewilligt die Lottostiftung zunächst 110.000 € für die Erstellung einer Machbarkeitsstudie und eines hydrologischen Gutachtens, sämtliche regionalen Medien berichten fast durchweg positiv von der Idee und irgendwann äußern sich sogar Mitglieder der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus zustimmend.

Ende 2014 dann der Knall, insgesamt 4.000.000 stellen Bund und Land für die Realisierung des Projekts bereit – noch vor Veröffentlichung des Gutachtens. Es weiß zwar noch niemand was es kostet, was mit den Fledermäusen unter dem Denkmal passiert, oder ob der Denkmalschutz den Bau überhaupt zulässt. Da die Vereinsvorsitzende Charlotte Hopf jedoch gleichzeitig Dombaumeisterin ist gibt es bezüglich des letzten Punktes auf jeden Fall gute Chancen.

Erstaunt hat mich bei den Kommentaren zu der aktuellen Berichterstattung welch großen Raum die Nörgler einnehmen. Natürlich tummeln sich in den Kommentaren ohnehin meist nur die Meckerer aber hier war das Feedback wirklich fast einhellig negativ. Ich habe die meisten dieser Kommentare ehrlich gesagt als ein wenig kleingeistig empfunden. Das Argument man solle doch erst einmal den Betrieb der bestehenden kommunalen Schwimmbäder sicherstellen, ist inzwischen hinfällig geworden, da deren Betrieb nicht nur weitergehen sondern ausgebaut werden soll. Vielen stößt auch der Gedanke an halbnackte Menschen inmitten von Preußens Glanz und Gloria sauer auf, sie befürchten eine Bescchädigung der Würde des Ortes.

Abendsonne am Wasser, wie schön.

Abendsonne am Wasser, wie schön.

Sicherlich hätte man sich mit der Bewillligung der Gelder auch Zeit lassen können, bis die Studie fertig ist, so kommt doch ein wenig das Gefühl auf, dass Gelder versenkt werden sollen, ohne das Jemand so recht weiß wofür.

Ich hingegen und eigentlich alle Menschen meines Umfelds und die auf dem Hof befragten Touristen Gäste kommen bei dieser Idee geradezu ins Schwärmen und ich freue mich schon auf den Tag, an dem wir unseren Gästen auf der Überblickstour das erste Mal dazu raten eine Badehose für die Picknickpause einzupacken. Bei 35° ist mir im Berliner Steindschungel jede Abkühlung willkommen und man kann schließlich nicht immer durch die Fontänen vor dem Kanzleramt radeln.

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