Festival der Riesendrachen Tempelhof


Flaute am Flughafen

In einer Stadt wie Berlin – weit weg vom Meer oder Bergen – ein Festival für Riesendrachen zu veranstalten birgt ein gewisses Risiko. Soll’s noch warm sein, darf es nicht zu spät im Jahr stattfinden, dafür gibt es im Sommer zu wenig Wind. Die Lösung ist wie jeder gute Kompromiß eher unbefriedigend, man trifft sich Mitte September und nimmt in Kauf, dass es mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit weder Wind noch Sonne gibt.

https://youtu.be/JzA4Z4ilCik

Veranstaltet wird das Festival, das 2017 zum sechsten Mal auf dem Tempelfeld stattfand, von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land, die mit 43.000 Wohnungen zu den größten kommunalen Immobilienunternehmen in Berlin gehört.  So ganz hat sich mir der thematische Zusammenhang zwischen Immobilien und Windspielen noch nicht erschlossen, aber vielleicht ist das einfach eines von den Dingen, die Alle toll finden, weil sich Kindheitserinnerungen damit verbinden und hervorrufen lassen. Dementsprechend viele Besucher haben ihre eigenen Flugobjekte mitgebracht, so dass der Himmel im westlichen Teil des ehemaligen Flughafen Tempelhofs mit 100en von Drachen dicht ist. Die klassischen rautenförmigen Drachen finden sich in unendlich vielen Variationen ebenso wie die etwas dynamischeren Deltadrachen, die sich als 2-Leiner auch schon steuern lassen. Batmans oder auch nur ‚normale‘ Fledermäuse erfreuen sich aus irgendeinem Grunde jedoch ganz besonderer Zuneigung, vielleicht gab’s sie aber auch einfach nur günstig bei Lidl. Gelegentliche Havarien bleiben da natürlich nicht aus, zumal überall Kids rennend ihre Drachen hinter sich her zerren, um so wenigstens für ein bisschen  Wind zu sorgen.

Auf der Startbahn stehen wie bei solchen Veranstaltungen üblich allerlei Stände mit schalem Bier und überteuerten Bratwürsten, während gegenüber der Drachenwiese ein Gelände abgesperrt ist, wo die Profis ihre Schöpfungen und Fähigkeiten präsentieren. Wie schon bei meinem letzten Besuch spielt der Wind leider nicht so recht mit. Die meisten der wirklich großen Drachen – bis zu 600 m2 – kommen auch bei günstigen Verhältnissen nicht aus eigener Kraft in die Luft, so dass immer eine Zugmatte oberhalb für den nötigen Auftrieb sorgt. Leider müssen viele der beeindruckenden Konstruktionen am Boden bleiben, oder schaffen es nur wenige Meter in die Höhe. Mit dabei ein gigantischer Regenbogen-Rochen, ein paar alte Bekannte wie die großen Kraken und seine kleineren Begleiter, ein grüner Drache, der an Elliot das Schmunzelmonster denken lässt und mein absoluter Liebling, ein Gecko mit wunderschönen Glupschaugen.

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Die Trickdrachen-Profis brauchen glücklicherweise nicht viel Wind, und so übernimmt ein Truppe aus zehn Piloten vorübergehend die Bespaßung. Mit beeindruckender Präzision ist da ein ganzer Schwarm am Himmel unterwegs, so dass wir anfangs dachten, die einzelnen Drachen seien miteinander verbunden.

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