Im Bundespräsidialamt & Schloss Bellevue


Zum Saisonabschluss im letzten Jahr gab es wieder eine besondere Unternehmung. Wir, Guides und Team, durften im November das Bundespräsidialamt und das Schloss Bellevue besichtigen. Fast ein Jahr hatte es gedauert, den Termin zu bekommen. Doch nach Sammeln und Übersenden der Besucherdaten für die Sicherheitsüberprüfung und Befolgen der Informationen über Art und Umfang der Dinge, die mitgebracht werden dürfen – ähnlich den Vorschriften der Flughäfen – erhielt unsere Gruppe von fünfzig Personen schnell Einlass.

Über Mitternachtsmails & glückliche Quersummen

Wer sich ganz allgemein über das Bundespräsidialamt oder das Schloss informieren möchte, der sollte auf den bekannten Portalen weiterlesen. Hier folgen die Anekdoten unseres Tourguides, Mitarbeiter des Wirtschaftsreferats im Bundespräsidialamt.

Dort startete der Rundgang mit einem Blick auf das Modell des Gebäudes und Hinweis auf die in den Boden eingelassenen Ziffern. Jeweils drei davon ergeben in Quersumme die Zahl Fünfzehn, die eine glückliche Hand beim Regieren geben soll. Schon folgte eine Stärkung bei Kaffee, Tee und Kuchen und erste Fragen wurden beantwortet und diskutiert. Mit Fragen und E-Mails kennt man sich aus im Bundespräsidialamt. Etwa 1000 treffen täglich ein. Die Anzahl schwankt mit den Mondphasen. Diese in jeder Hinsicht sensiblen Schriftstücke und auch die sogenannten „Mitternachtsmails“ werden zügig beantwort. Unser Guide ist eindeutig gut im Training.

Hervorstechend sind zweifarbige Majolika-Tafeln, die den sonst schlichten Bau – außen dunkel, innen hell – farblich aufmischen. Neunzig Stück davon sind zwischen den Türen angebracht und entsprechen den Farbübergängen zwischen Horizont und Erde auf Gemälden Caspar David Friedrichs. „Ach, na klar!“, ruft jemand aus. Zurückhaltend dagegen sind die Büsten der ehemaligen Bundespräsidenten in Nischen auf Augenhöhe präsentiert. Der Name des jeweiligen Künstlers fehlt leider ganz.

Protokoll der Zufahrtswege & Ordnung im Bücherregal

Wollo vor dem Schloss Bellevue Auf dem Weg hinüber zum Schloss Bellevue wird über den Grund dafür gegrübelt. Doch schon im Ehrenhof werfen die akkurat gestutzten „Zipfelbäumchen“ vor dem Schloss neue Fragen auf. Ein Team festangestellter Gärtner kümmert sich um den Park und die beiden Teiche. Auch mit den computergesteuerten Rasenmähern, die wir später hinter dem Schloss entdecken, kennen sie sich bestens aus.

Zunächst werden die Zufahrtsregeln zum Schloss erläutert. Ein Tor wird nur für den Bundespräsidenten geöffnet, das andere geladenen Gästen. In diesem Zusammenhang bleibt natürlich Hape Kerkeling nicht unerwähnt. Ist die Fahne gehisst, bedeutet es, dass der Bundespräsident sich in Deutschland aufhält. Seine Wohnung befindet sich seit der Regierungszeit von Roman Herzog nicht mehr im Schloss. Die Lage direkt neben der Schlossküche war zu unruhig und insgesamt lebte es sich wenig komfortabel.

Weitere Regeln des Protokolls sollen wir im Schloss erfahren. Die Tür wird allerdings auch auf kräftiges Klopfen hin nicht geöffnet. Erst ein Handyanruf gewährt uns Einlass – ganz die neuzeitliche Kommunikation.

In der Eingangshalle fällt der Blick neben dem Tisch mit dem Gästebuch und Tintenwippe auf die Blumenarrangements, die jeweils in den Landesfarben zu Ehren der Gäste zusammengestellt werden. Im Arbeitszimmer des Bundespräsidenten stehen die Bücher im Regal nach Farben sortiert: Das Ergebnis einer Fernsehaufzeichnung vor einigen Jahren. Bücher als Hintergrund seien schön, aber eine für das Auge ansprechende Ordnung müsse sein, entschied das Team des Senders. Leider wurde die diesjährige Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten nicht vor dieser Kulisse aufgezeichnet.

Nichts für Prinzessinnen auf der Erbse

Ein Großteil der Möbel des Schlosses stammt aus dem Schloss Wilhelmshöhe bei Kassel, da durch die Zerstörung während des Zweiten Weltkrieges von der ursprünglichen Einrichtung nur wenig erhalten blieb. Im Gartensalon werden wir auf die mit Rosshaar gefüllten Polstermöbel hingewiesen. Ein wirksames Mittel für Gäste mit der Neigung für zuviel Sitzfleisch. Neben den im alten Stil eingerichteten Räumen liegen zwei Salons im Design der 50er-Jahre. Aus Gründen des Denkmalschutzes wurden sie bei der Renovierung in den späten 80er-Jahren erhalten.

Im relativ kleinen angrenzenden Langhanssaal ist es schwer vorstellbar, dass sich Journalisten bei Pressekonferenzen auf steil ansteigenden Tribünen „bis unter die Decke stapeln“ lassen. Über wunderschönes Parkett eines weiteren Salons und den Schinkelsaal geht es in den Großen Saal. Bis zu 200 Gäste können dort bei Empfängen und zu Banketten geladen und bewirtet werden. Der riesige Teppich hat schon einiges ausgehalten, selbst Brandlöcher von Zigaretten, als das Rauchen noch salonfähig war. Deutlich widerstandsfähiger als das Parkett des Schlosses ist er. Das muss alle fünf Jahre erneuert werden.

Zum Abschluss des Rundgangs treten wir in den Park hinaus. Die in den Boden geritzten Markierungen dienen der exakten Aufstellung für das militärische Zeremoniell bei Staatsbesuchen. Dem über einen der Rundwege hoppelnden Kaninchen ist das steife Protokoll offenbar schnuppe.

Vielen Dank für zwei sehr interessante und unterhaltsame Stunden. Hier ein Link zu Fotos vom Schloss Bellevue und dem Bundespräsidialamt auf der Seite des Bundespräsidenten. Öffentliche Führungen finden nur sehr selten statt, weitere Informationen dazu sind ebenfalls über diese Seite zu erhalten.

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