Radtour Neustrelitz – Templin


Brandenburg-Ausflug (und ein bisschen Meck-Pomm)

Leider schaffen wir es während der Saison viel zu selten, uns selbst mal aufs Rad zu setzen und unser schönes Umland zu erkunden. Vor kurzem hat sich jedoch die Gelegenheit ergeben unseren Häuptling im Brandenburgischen abzuholen und dabei das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Gestartet sind wir in Neustrelitz, Mecklenburg Vorpommern. Dort kommt man wunderbar mit dem RE5 hin, der auf allen großen Bahnhöfen auf der Berliner Nord-Süd-Achse hält, u.a. am Südkreuz, Hauptbahnhof und Gesundbrunnen. Trotz nächstem Bundesland gilt sogar das günstige BrandenburgTicket bis dorthin, so dass das Ganze kein allzu teurer Ausflug wird.

https://youtu.be/1mHaZfGUIlI

Wir hieven also unsere Räder in Neustrelitz aus der Bahn, einem dieser aufwändig restaurierten Städtchen im Osten, inklusive frühbarocker Kirche und spätbarockem Schloss samt dazugehörigen Schlosspark. Sternförmig führen ganze acht Straßen auf den vage mediterran anmutenden Marktplatz, auf dem wir uns zunächst für die anstehenden Aufgaben und die zu erwartende Hitzeschlacht stärken. Wirklich schön ist das Hafengebiet direkt neben dem Schloßpark, das geprägt ist von zu Wohnungen umgebauten Industrie- und Armeebauten.

Marktplatz Neustrelitz mit barocker Kirche

Marktplatz Neustrelitz mit barocker Kirche

Der nun folgenden Routenplanung lag neben dem Anspruch nach Möglichkeit nur ausgewiesene Radwege zu nutzen (was sich als echter Segen herausgestellt hat) die Option bei angesagten 35° maximal oft textilfrei in einen der vielen Seen zu springen. Wenn es nach Martin gegangen wäre, hätten wir tatsächlich an jedem Gewässer gehalten, aber auch mit meiner Intervention waren wir an diesem Tag bestimmt fünf Mal baden. Wir wenden uns erst einmal Richtung Süd-Osten. In erstaunlich hügeligem Gelände folgen wir einem perfekt asphaltiertem Radweg, immer schön durch eine schattige Baumreihe von der Straße getrennt bis nach Wokuhl, wo wir mehr oder weniger direkt nach Süden abbiegen, zu unserem ersten Zwischenziel in Himmelpfort, das dann schon in Brandenburg liegt. Der Ort ist winzig, aber bekannt für seine mittelalterliche Klosterruine und das örtliche Postamt des Weihnachtsmanns. Geschichtlich gesehen ist das ganze ein gutes Beispiel, für die Rolle die christliche Glaubensgemeinschaften und speziell die Zisterzienser bei der Besiedlung der Mark Brandenburg spielten. In vielen Gegenden machten erst die Mönche das Land in großem Stile urbar, durch Entwässerungen, Rodungen und dem Anlegen von Feldern, Weiden und Manufakturen. Gut mittag essen kann man da übrigens auch, wobei es immer schwer fällt, sich danach wieder aufzuraffen.

See in Brandenburg

See in Brandenburg

Lychen kannten wir schon von einem früheren Ausflug, deswegen sind wir diesmal nur durch. Das Städtchen ist aber definitiv einen Besuch wert. Der ehemalige Kurort liegt zwischen mehreren Seen, so dass man sich im Grunde genommen immer vorkommt wie auf einer Insel und Teile des eines ehemaligen Sanatoriums sind heute zu einem recht schicken Hotel umgebaut, dass sich explizit auch Radwanderer richtet. Insgesamt bietet sich die ganze Gegend für eine Vielzahl von Freizeitaktivitäten an, vom Draisinefahren bis zum Kayakwandern oder Segeln auf den größeren Gewässern findet sich Outdoor-Freunde eigentlich immer was Passendes.

 Auf dem Weg nach Beutel verfahren wir uns dann schließlich doch noch und stehen irgendwann vor einem ehemaligen Truppenübungsplatz, dessen Wege bei der  wochenlangen Trockenheit zu einer einzigen Buddelkiste werden. Also ist erstmal schieben angesagt. Immer schön am Rand lang, ein wenig beunruhigend sind die vielen Schilder die vor liegengebliebener Munition warnen. Ist wahrscheinlich Quatsch, der Herde Rehe die wir zwischen den Bäumen entdecken macht das jedenfalls nichts aus (sagt man das so bei Rehen, oder wie heißt eine Gruppe von denen?). Mittlerweile wäre es Zeit sich langsam mal mit Wollo, unserem Chef und Abendessen-Verabredung zu verbinden. Das ist in dieser Ecke Brandenburgs leider nicht ganz so einfach. Insgesamt mehr als zwei Stunden dauert bis wir uns beide zufällig zeitgleich mal nicht in einem Funkloch wiederfinden. Daran, dass es in Deutschland „in der Fläche“ mit dem Internet hapert, hat man sich ja schon fast gewöhnt, aber nicht mal telefonieren zu können ist dann doch ein bisschen hart.

Holzkirche, die wir auf unserer Brandenburg Radtour gefunden haben.

Holzkirche, die wir auf unserer Brandenburg Radtour gefunden haben.

 

In jedem Winkel steht n Schinkel

Irgendwann schaffen wir es dann doch uns kurzzuschließen und Wollo bietet an uns in Annenwalde abzuholen, wohin wir uns gerade durchgekämpft hatten. In Annenwalde gibt es nicht nur einen Laden in einer alten Scheune, der regionale Produkten verkauft und ein ganz nettes Lokal, sondern auch eine von Schinkel gezeichnete Kirche, bei der ich mir fast sicher bin, sie schon genau so an drei anderen Orten gesehen zu habe.

Nach ausführlicher Besichtigung unserer Außenstelle in Beutel und erneuter Abkühlung im See, radeln wir gemeinsam das letzte kleine Stück nach Templin, wo wir im Schatten der mittelalterlichen Stadtmauer bei einem erstaunlich leckeren Italiener zu Abend essen, bevor wir erschöpft und glücklich den letzten Zug nach Berlin erwischen.

Auch wenn man wahrscheinlich nicht beim ersten falschen Schritt explodiert, empfiehlt es sich wohl hier nicht unbedingt lang zu laufen.

Auch wenn man wahrscheinlich nicht beim ersten falschen Schritt explodiert, empfiehlt es sich wohl hier nicht unbedingt lang zu laufen.

Sorry, dass es jetzt doch so viel geworden ist.

rhdr

rhdr

 

 

 

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