Craft Beer: Stone Brewing Berlin


Bier-Radtour nach Mariendorf

Die Craft Beer-Welle rollt mittlerweile, mit einiger Verspätung, auch durch Berlin. Seit einigen Jahren wird gefühlt jede Woche eine neue Bar aufgemacht, die handwerklich hergestelltes Bier zelebriert. Im vergangenen Jahr haben wir schon einmal einen Braukurs bei Bierlieb für Euch besucht und im Video dokumentiert. Etwa zur gleichen Zeit entstand der erste Kontakt mit Stone Brewing Berlin. Stone ist seit 1996 eine der am schnellsten wachsenden Craftbeer Brauereien der USA und seit einiger Zeit auch in Berlin vertreten. Insgesamt fast 20 Mio. € beträgt das Investitionsvolumen auf dem ehemaligen GASAG-Gelände in Mariendorf, auf dem nicht nur die Brauerei sondern auch ein riesiger Biergarten liegt.

„Bitte was? 20 Millionen in Mariendorf? Wer soll sich denn da hin verirren?“ Das war in etwa meine erste Reaktion. Die meisten der Biernerds (wertfrei), die ich bisher getroffen habe, habe ich eher in die Schublade der Bart tragenden Innenstadt-Hipster gesteckt, die nur in absoluten Ausnahmefällen den S-Bahn-Ring verlassen, aber ob die Zielgruppe reicht, diese Investitionen wieder reinzuholen? Die Einheimischen vor Ort hingegen, ich bin selbst in Lichterfelde groß geworden, kann ich mir beim besten Willen nicht als Stammkunden für Bier vorstellen, dass mal eben 6 € für einen halben Liter kostet.

Totale Stone Brewing Berlin in Mariendorf

Blick in den Schankraum bei Stone Brewing Berlin

Um nun meine Vorurteile zu widerlegen oder zu bestätigen, bin ich also gern mit einem knappen Dutzend Kollegen der Einladung zu einer Führung samt Tasting/Verkostung gefolgt. Der junge Mann, der die Führung gehalten hat, selber Brauer und daher mit Wissen und Leidenschaft bei der Sache, hat uns kompetent in die Grundlagen des genussvollen Bierkonsums eingeführt. Während des Einstiegsvortrags wurde an einem ganz bestimmten Punkt deutlich, dass wir es mit einem amerikanischen Unternehmen zu tun haben, der Kollege Guide hat den Ort des Geschehens jedes Mal mit der vollen Firmierung genannt. Irgendwann war ich innerlich wirklich am Brodeln und dachte nur: „Wenn der Mann noch einmal ‚Stone Brewing World Bistro & Garden‘ sagt, lauf ich Amok.“ Hab ich dann nicht gemacht.

 

Schankraum Stone

Freitreppe mit Sitzgelegenheiten bei Stone Brewing Berlin

Es stellt sich heraus, dass der Biergarten, also der Ausschank vor Ort natürlich nicht allein für die Profitabilität sorgen soll. Stattdessen wird von Berlin aus ganz Mittel- und Nordeuropa mit den Bieren des Hauses Stone beliefert. Mittlerweile gibt es neben diversen Bars und Spezialgeschäften die ersten Supermärkte, die Sorten wie ‚Stone Ruination Double IPA‘ oder ‚Stone Mint Coffee Milk Stout‘ vertreiben. Am Namen letzteren Gebräus lässt sich schon ablesen, dass die Amerikaner ein relativ entspanntes Verhältnis zum deutschen Reinheitsgebot haben. So sinnvoll dieses Gebot auch ursprünglich war um zu verhindern, dass die Leute einfach Gott weiß was vergären lassen und das dann Bier nennen, so überholt scheint es mir heute. Im Zeichen von umfangreichen Kennzeichnungspflichten noch darauf zu bestehen, dass Bier mit beispielsweise Kaffeezusatz oder Früchten kein Bier ist, scheint mir doch etwas überholt.

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Der Innenbereich des Bistro ist nicht nur riesig – bis zu 800 Sitzplätze  –  sondern auch äußerst schön und ansprechend gestaltet. Im Grunde genommen ist das Bistro ein einziger riesiger Raum mit vielen Tischen, der immer mal wieder durch Baumstämme oder alte Gaslaternen aufgelockert wird. Alles ist hell und gemütlich dekoriert ohne beliebig zu sein. Die Bar mit fast 40 Zapfhähnen ist gleich am Eingang, die Glasrosette am Kopfende der Halle ziert das Logo von Stone, ein stilisierter Gargoyle, der nicht vor bösen Geistern sondern schlechtem Bier bewahren soll. Über eine breite Freitreppe, die selbst bequeme Sitzgelegenheiten mit Kissen bietet, geht es auf eine Empore, von der aus man in dick gepolsterte Sessel gegossen das Treiben von oben betrachten kann. Zum Zeitpunkt unseres Besuches, einem Donnerstagnachmittag, war allerdings nicht allzu viel los. Abends sieht das laut Aussage der Mitarbeiter jedoch auch jetzt schon anders aus, was sicher auch an den täglich stattfindenden Live-Konzerten liegt.

Besucher blicken in den Braukessel bei Stone Brewing Berlin

Blick in den Braukessel bei der Craftbeer-Brauerei Stone Brewing Berlin

Ein Drittel der Halle ist durch eine Glaswand abgetrennt, durch die man direkt in die eigentliche Brauerei blickt. Das was sich dahinter verbirgt sieht zwar für den Laien weniger nach Handwerk als nach Fabrik aus, aber natürlich sind die produzierten Mengen verglichen mit den sogenannten Fernsehbieren verschwindend gering. Mehrere große Edelstahlkessel verbunden durch ein Gewirr aus Rohren und Kabeln, die allerlei Sensoren ansteuern, füllen den Raum bis unter die 8 Meter hohe Decke. Wirklich interessant und auch für mich neu war die Möglichkeit einmal verschiedene Hopfensorten einem Geruchs- und Geschmackstest zu unterziehen. Es ist erstaunlich, welche Vielfalt an Aromen eine einzige Pflanzenart entfalten kann. Das führt mich über den Umweg des Tastings allerdings auch wieder zu einem der Probleme, die ich für die Craft Beer-Szene in Deutschland sehe, nämlich die krasse Fokussierung auf den Hopfen. Grundsätzlich geht es bei Craft Beer natürlich nicht nur um die Herstellungsmethoden und darum sein Geld lieber lokal in kleine Unternehmen zu stecken sondern vor allem um den Geschmack. Jeder der wirklich gerne Bier trinkt, wird mir und dem Gründer von Stone, Greg Koch, sicher zustimmen, dass viele Standardbiere einfach fad sind. Die Gegenbewegung, immer mehr Hopfen ins Bier zu geben, finde ich jedoch genauso problematisch. Derzeit richten sich viele der Angebote an die absoluten Nerds, denen es gar nicht ‚hoppy‘ genug sein kann. Das sorgt bei mir persönlich dafür, dass ich meist nach nur einem dieser hochgelobten Ausnahmebiere mit haufenweise 5-Sterne-Bewertungen genug habe und mich nach einem simplen Hellen sehne. Ok, so schlimm, dass ich Sehnsucht nach Beck’s habe ist es dann zwar noch nicht, aber ich sehe doch die Gefahr, dass hier am Mainstream komplett vorbeigebraut wird und sich die Branche selber dauerhaft in die Nische stellt.

Barmann an der Zapfanlage bei Stone Brewing Berlin

Beeindruckende Zapfanlage mit 40 Craft Beer-Sorten vom Fass.

Glücklicherweise scheint es aber auch anderen so zu gehen und so haben Brauereien wie Berliner Berg und Brlo mittlerweile sehr geschmackvolle Pils- und Helle-Varianten im Programm, die zwar unverwechselbar aber nicht komplett bitter sind. Bei Stone in Berlin denkt man mittelfristig auch darüber nach Pils, Helles oder Berliner Weiße zu brauen, aber einstweilen gibt es ausschließlich Ales und Stouts. Wem es ähnlich wie mir geht, dem sei an dieser Stelle das ‚Stone Go-To IPA‘ empfohlen. Ansonsten enthält die beeindruckende Karte fast 40 Fassbiere aus eigener und fremder Produktion. Das Personal an der Bar ist kompetent genug, jedem nach einem kurzem Gespräch ein passendes Bier zu empfehlen und zur allgemeinen Orientierung steht hinter dem Namen des Biers immer die IBU-Zahl. IBU steht für ‚International Bitter Unit‘ und je höher diese Zahl desto bitterer das Bier.

Zur Qualität des Essen kann ich leider nichts sagen, aber die Karte liest sich schon mal ziemlich lecker, allerdings sind die Preise recht anspruchsvoll. Bei Hauptgerichten ab 15 € und einer offenen Küche gehe ich jetzt aber einfach mal davon aus, dass man sich auch hier keine Blöße geben wird.

Fazit: Erstens gar nicht so weit draußen – von Kreuzberg 61 ist das eine etwa 25-minütige Radtour, zweitens sehr lecker und drittens wirklich schön. Als Ziel für den kleinen Ausflug zwischendurch kommt Stone Brewing definitiv auf die Liste, zumal das Gelände selbst auch sehenswert ist.

Infos und Anschrift Stone Brewing Berlin

Im Marienpark 23
12107 Berlin, Germany
+49 30 212343 – 100

Anfahrt

Öffnungszeiten

MontagZu
Dienstag 15:00 – 00:00
Mittwoch15:00 – 00:00
Donnerstag15:00 – 00:00
Freitag15:00 – 00:00
Samstag 12:00 – 00:00
Sonntag 10:00 – 00:00

Brauereiführungen wie wir sie gemacht haben mit anschließendem Tasting finden täglich sowohl in Englisch als auch Deutsch statt und kosten schlappe 3 €. Mehr Infos und Anmeldung hier.

Gerne erstellen wir Ihnen ein individuelles Angebot für eine Radtour mit Besuch der Brauerei.

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