27. Juni Öffnung des Grenzzauns zwischen Österreich und Ungarn


oeffnung-desgrenzzauns-oesterreich-ungarn-juni-1989 Nachdem Ungarn bereits im Mai – von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbeachtet – begonnen hatte, seine westlichen Grenzanlagen abzubauen, kam es am 27. Juni 1989 zu einer symbolträchtigen Geste, die vielen endgültig vor Augen führte: der Eiserne Vorhang wird nicht nur löchrig, sondern bald Geschichte sein. Während Bürger Ungarns schon seit 1988 ins westliche Ausland reisen durften, war es letztlich das Bild der beiden Außenminister Horn (Ungarn) und Mock (Österreich), die mit einem eilig herbeigeschafften Bolzenschneider etwas ungelenk den Stacheldraht durchtrennten, dass vielen DDR-Bürgern als Startsignal zur Flucht diente.

Initiiert wurde dieser symbolische Akt letztlich durch den österreichischen Fotografen Bernhard Holzner. Die beiden Politiker waren zu einer Inspektion der ohnehin schon weitgehend abgebauten Grenzanlagen zugegen und Holzner bekam nach Rücksprache mit der österrischischen Regierung, wobei es wohl gar nicht so einfach war, noch ein geeignetes Stück Stacheldraht zu finden.

Für viele DDR-Bürger änderten sich die Ungarn-Urlaubspläne sehr pötzlich und radikal, nachdem dieses Bild im streng verbotenen West-Fernsehen auftauchte und schon wenige Wochen später flohen 1.000e über die grüne Grenze. Politisch problematisch war das Ganze insofern, als dass die DDR-Führung sich auf ein gemeinsames Grenzsicherungsabkommen berufen konnte, dass die Ungarn zu diesem Zeitpunkt (und noch bis September) verpflichtete beim Versuch des Grenzübertritts aufgegriffene Ostdeutsche wieder in die DDR abzuschieben. Insgesamt ist davon auszugehen, dass die ungarischen Grenztruppen Ihren Auftrag mit nicht mehr ganz so viel Überzeugung und Tatendrang angingen, wie es sich die SED gewünscht hatte. Dennoch waren der DDR weitgehend die Hände gebunden, da Michail Gorbatschow (der gerade auf Staatsbesuch im Westen war) seine Zustimmung zum Grenzabbau gegeben hatte, und außer immer verzweifelter klingender Protestnoten kaum Instrumente zur Einflußnahme auf den sozialistischen Bruderstaat blieben.

Dennoch war die Flucht weiterhin nicht ungefährlich, da es natürlich auch in Ungarn Grenzer gab, die sich weiterhin in den Dienst von System und Grenze stellten. So wird noch am 22. August der Weimarer Architekt Kurt-Werner Schulz beim Grenzübertritt erschossen und ist damit das wirklich letzte Opfer des nicht nur Deutschlands sondern ganz Europa trennenden Eisernen Vorhangs.  Insgesamt beantragten im Sommer 1989 knap 1,5 Millionen Menschen die ständige Ausrede aus der DDR – das entspricht fast einem Zehntel der Bevölkerung, ein ganzes Land war auf dem Sprung.

Eindrucksvolle und sehr persönliche Dokumente dieser Zeit liefert die Website www.wir-waren-so-frei.de

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