13. Juni Michail Gorbatschow besucht die Bundesrepublik


© Yuryi Abramochkin RIA Novosti archive, image #359290

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Schon als der damalige Generalsekretär der kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) im Jahr 1986 erstmals den „Umbau“ der SU unter den beiden Labels Glasnost und Perestroika in Angriff nahm, wurde dies in weiten Teilen der Welt und insbesondere Ost-Europas als Signal zum Aufbruch verstanden. Ohne die Versicherung sich nicht weiter in die innenpolitischen Belange der anderen Warschauer-Pakt-Staaten einzumischen, wäre es weder zum Regierungswechsel in Polen noch zur Grenzöffnung in Ungarn gekommen. Wann immer in den vorangegangenen Jahrzehnten die Bürger der sozialistischen Satellitenstaaten auf die Straße gingen, um für politischen Wandel oder ein besseres Leben zu demonstrieren, endete es in aller Regel mit Blut und Tränen, herbeigeführt durch sowjetische Panzer und Gewehre.

Gorbatschow gilt zu Recht vielen als eigentlicher Katalysator der Wende, weswegen er insbesondere in Deutschland geradezu verehrt und in Russland ebenso innig als Totengräber des russischen Weltreichs gehasst wird.

Eine Sache fällt auf, wenn man sich die Presseberichte zu Gorbatschows Staatsbesuch in der BRD im Juni 1989 vornimmt. Nirgends ist von der Einheit die Rede. Man wunderte sich ein wenig über den Empfang, den die Westdeutschen diesem Mann mit der Landkarte auf der Stirn bereiteten, sprach gar von Gorbimanie. Die Floskeln der diplomatischen Communiqués, die im Nachhinein zu Vorboten der bevorstehenden Einigung hochstilisiert wurden, waren tatsächlich nichts Anderes als das; Floskeln, wie sie jedes offizielle Schriftstück bei einem Staatsbesuch zu Tausenden bevölkern.

Andererseits muss doch etwas in der Luft gelegen haben – die erste zarte Hoffnung auf Wandel im Betonland DDR vielleicht oder einfach der Wunsch, es einmal mit einem Politiker zu tun zu haben, der einem zumindest das Gefühl gab, sich ernsthaft um die ihm anvertrauten Menschen zu sorgen – wer weiß. Anders jedenfalls ist die enorme Begeisterung nicht zu erklären, nicht die „Gorbi, Gorbi“-Rufe und nicht der Vorschlag der Mitarbeiter des Konzerns Hoesch, Michail Gorbatschow doch bitte den Friedens-Nobelpreis zu verleihen.

Eine kleine, nicht wirklich überprüfbare Anekdote hat ebenfalls Eingang in die historische Legende gefunden. Angeblich hätten sich Helmut Kohl und Michail Gorbatschow ganz entspannt auf eine Bank am Flussufer gesetzt. Kohl hätte dann in seiner an Metaphern so reichen Sprache den Fluß des Rheins zum Meer mit dem quasi naturgegebenen Streben des deutschen Volkes nach Einheit verglichen. Ähem, naja…

Trotzdem Danke, Gorbi, wir sehen uns im Oktober wieder – zur Geburtstagsfeier und Totenmesse der DDR.

 

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