Urban Nation Murals in Tegel


Tegel Radtour Teil 2

Hier geht es zu Teil 1 unserer Tegel-Radtour

Vom Russisch-Orthodoxen Friedhof ist es nur ein Katzensprung in das Neubaugebiet zwischen Neheimer und Bernauer Straße. Die Gegend ist eine typische Schlafstadt aus den 70er Jahren mit eine Reihe baugleicher Betonriegel mit 14 Stockwerken. Große Balkone, viel Platz zwischen den Häusern und der nahe Tegeler See dämpfen die Trostlosigkeit. Die Bewohner kann man im besten Sinne des Wortes als Kleinbürger bezeichnen. Man kennt sich, auf der Straße wird gehörig berlinert und gelegentlich ruft jemand aus einem Fenster etwas nach unten. Nicht direkt die Ecke in der man wegweisende Streetart vermuten würde, gäbe es nicht die Initiave Urban Nation. Seit 2013 lädt Urban Nation als Teil der Stiftung Berliner Leben internationale Künstler ein, Hauswände und Fassaden zu gestalten. Besonders beeindruckend sind die großflächigen Murals die unter dem Label One Wall mittlerweile etliche Wände der Stadt zieren, die wir Euch im Laufe der Zeit ebenfalls präsentieren werden. Ansonsten solltet Ihr Euch den September 2017 schon mal im Kalender vormerken, da ist die Eröffnung des Urban Nation Museums in der Bülowstraße geplant – wir informieren.

Borondo

Urban Nation; One Walls Project, Mural von Borondo

Umstrittenes Wandgemälde von Borondo in Tegel.

Gleich das erste Wandgemälde, dass wir finden, ist eines, das gehörige Irritationen ausgelöst hat. Gerade bei bezahlter Streetart wünscht sich der Auftraggeber häufig etwas Gefälliges. Das gilt um so mehr, als dass die Grundidee hinter solch einem Konzept eben auch die künstlerische Belebung einer vermeintlich tristen Gegend ist. Aber wer hat eigentlich gesagt, dass Kunst gefallen sein muss, um wichtig und relevant zu sein. Täglich werden wir mit tausenden nicht abgefragten Botschaften zugemüllt, die nur dazu dienen, dass wir uns schlecht zu fühlen (zu dick, nicht reich genug, nicht gesund genug und vor allem nicht fröhlich genug) damit wir nur ja irgendwelches Zeug kaufen. Das alles soll in Ordnung sein, egal wie sexistisch und eklig es ist, aber wenn auf einem Wandgemälde vermeintlich Blut zu sehen ist, drehen die Leute durch? Zugegeben, ein bisschen verstörend ist das Bild schon, aber muss man deswegen gleich eine Elterninitiative gründen, um es wieder loszuwerden? Tatsache ist, die Mehrheit der Bewohner (laut Presse und eigenem Stimmungsbild) ist alles andere als begeistert. Der schöne Nebeneffekt allerdings; Menschen die wahrscheinlich das letzte Mal zum Wandertag 1985 im Museum waren sprechen über Kunst und fragen sich wem sie dient. Viel mehr kann ein Kunstwerk eigentlich nicht erreichen. Für mich ganz klar das Highlight in Tegel.

Blauer Star von Collin van der Sluijs & Mr. Super A

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Urban Nation One Wall von Collin van der Sluijs und Mr. Super A in Tegel: Sterling

One Wall – Mural „Sterling“ von Collin van der Sluijs und Mr. Super A.

Dieser riesige Blaue Vogel wirkt geradezu so als sei das Hochhaus sein Nest und wir nur geduldete Besucher. Der Sterling bezaubert mit großem Detailreichtum und Tiefe. Die Auswahl des Stars ist natürlich hochgradig symbolisch. Genau wie das Mural von Borondo ist das Thema im weitesten Sinne Migration und Gemeinschaft. Ohne dass es dafür einen Anführer bräuchte bilden Stare große Schwärme und orientieren sich dabei an ihrem Nachbarn, um Räubern zu entgehen.

Hownosm

Mural von Hownosm in Tegel

One Wall von Hownosm für Urban Nation in Tegel

Eine inhaltliche oder künstlerische Interpretation will mir hier nicht wirklich einfallen, obwohl es bestimmt irgendwas mit Kritik an der Konsumgesellschaft zu tun hat. Ich könnte jetzt so tun, als sei ich zu faul, traurige Wahrheit ist: ich bin zu doof. Ich persönlich finde es großartig psychedelisch und fühle mich an verrückte Plattencover aus den 70ern erinnert. Hownosm sind die spanischen Zwillingsbrüder Raoul und Davide Perre, die Ihre verspielten Murals mittlerweile in der ganzen Welt anbringen.

London Police in Tegel

One Wall Wandgemälde für Urban Nation von The London Police

Mural von The London Police in Tegel

Die Figuren des Künstler-Kollektivs The London Police sind so einprägsam, dass nahezu jeder sie wiedererkennt, selbst wenn er/sie mit Streetart eigentlich gar nichts am Hut hat.  Viele von Euch werden Ihr Mural am Görlitzer Park kennen, dass wie viele andere großformatige Wandgemälde in Kreuzberg auch im Rahmen des Backjump-Festival entstanden ist. Oft tauchen kleine retromäßige Roboter auf, vor allem diese freundlichen, nummerierten Blobs, die immer lächeln. Gute-Laune-Kunst die auch bei den Leuten in Tegel gut ankommt.

The Circle of Life von Fintan Magee

Urban Nation One Wall Project in Berlin-Tegel; The circle of Life von Fintan Magee

The Circle of Life von Fintan Magee. One Wall in Tegel

Wandgemälde in Berlin Tegel, Detail aus The Circle of Life von Fintan Magee: Frau mit Säugling

Details eines Mural in

Das Mural zeigt einen Mann und eine Frau mit Säugling auf dem Arm die sich gegenseitig den Rücken zuwenden und den Blick in den Himmel richten. Dabei werden sie umschlungen, umwuchert von einer Ranke. Laut Künstler beruht das Bild auf dem Kinderbuch A Child’s Garden http://amzn.to/2otB7kH und feiert die Widerstandsfähigkeit des menschlichen Geistes, der sich auch aus dem Chaos wieder ins Glück kämpfen kann. Na, wenn das nicht zu Berlin passt. Ich persönlich finde, es ist das schwächste der sechs Bilder und erinnert mich an eine Werbung für Versicherungen oder Biomärkte, aber vielleicht bin ich auch nur zu zynisch, um das wirklich toll zu finden.

Pixel Pancho Mural

Wandgemälde mit organischen Robotern von Pixel Pancho in Berlin Tegel

Mural in Berlin Tegel by Pixel Pancho

Die organischen Roboter von Pixel Pancho hingegen finde ich großartig. Es ist nicht ganz klar, ob Pflanzen aus einem Cyborg wachsen oder doch eher umgekehrt. Die Ästethik ist dabei ganz klar mexikanisch und erinnert ein bißchen an Frida Kahlo, die sich selbst ja auch immer wieder als Zwitterwesen dargestellt hat.

Das wars erst mal mit Tegel, für den Rückweg fahren wir zunächst ein Stück dem wunderschönen Tegeler See lang (einer der Schönsten! (von der Welt natürlich)) und folgen dann einer Route die man eher erträgt als genießt. Wie auf dem Hinweg das letzte, ist das erste Drittel ein bisschen ätzend, weil viel Hauptstraßen dabei sind, auf denen glücklicherweise nicht allzu viel los ist. Am Rohrdamm überqueren wir die Spree um dann am südlichen Ufer entlang zu radeln bis zum Schloss Charlottenburg.Hier machen wir einen kurzen Schlenker in den Park, um einen Buntspecht zu beobachten bevor es endgültig zurück in die Innenstadt geht. Definitv einen Ausflug wert dieses Tegel 😉

Demnächst mehr von Urban Nation an dieser Stelle.

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