Unterwegs in Charlottenburg


Schlosspark und Keramik-Museum

An einem der ersten schönen Frühlingstage die eigene Stadt zu entdecken ist immer schön. Umso schöner, wenn man dabei auch noch als Berliner unerwartet etwas Neues entdeckt. Der Park des Schloß Charlottenburg ist ohne Zweifel einer der schönsten der Hauptstadt. Besonders reizvoll ist immer wieder der Gegensatz zwischen den streng geometrischen Formen des französischen Rokoko-Gartens direkt hinter dem Schloß und dem maßgeblich von Lenné gestalteten englischen Landschaftsgarten. Kleine Wasserläufe und gut gepflegte Wege ziehen sich durch einen Park, der wirkt wie zufällig entstanden, aber in Wirklichkeit natürlich bis ins Letzte geplant ist. Erfreulicherweise haben etliche alte Bäume auch die Brennstoffknappheit nach dem zweiten Weltkrieg überlebt. Für mich immer schwer vorstellbar, als Gartenbaumeister derart weit in die Zukunft zu schauen, dass die Vollendung des eigenen Werkes höchsten von den eigenen Enkeln erlebt wird. Wobei streng genommen ein derartiger Garten nie vollendet ist und als lebendes Gesamtkunstwerk nur sein Gesicht immer wieder verändert.

Rückseite des SChloss Charlottenburg

Rückseite des SChloss Charlottenburg

Kleine Wasserläufe ziehen sich zwischen Wiesen und Bäumen entlang auf denen sich die Hohenzollern und ihre Höflinge in den Sommermonaten entlangstaken ließen. Gut vor Blicken geschützte Ecken werden dem ein oder anderen Schäferstündchen die nötige Diskretion garantiert haben und überaschend öffnen sich immer wieder Blickachsen hin zu diesem großartigem Bau, dem Schloß selbst. Zwar fehlt noch allenthalben das Grün, aber auch mit kahlem Geäst entfaltet der Schloßpark in Charlottenburg einen besonderen Charme.

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Unsere eigentliche Entdeckung an diesem Samstag jedoch, ist natürlich nicht der Schloßpark, sondern ein sehr viel unauffälligeres Gebäude in einer Seitenstraße, nicht weit entfernt. Ursprüngliches Ziel war die Luisenkirche am Gierkeplatz, ein Bau, der anders als viele evangelische Kirchen in Berlin mit ihren gebrannten Ziegeln weniger an eine nordische Trutzburg erinnert, sondern einen eher an Spanien oder Italien denken lässt. Plötzlich, nur wenige Meter die Schusteruhstraße entlang, stehen wir vor einem ungleich spannenderen, wenn auch winzigem Gebäude. Ganz offensichtlich ist es älter, als alles was an gründerzeitlichem Prunk drum herum steht. Es ist das älteste noch erhaltene Wohnhaus in Charlottenburg und mit über 300 Jahren für Berliner Verhältnisse wirklich steinalt. Ursprünglich wurde das Anwesen 1712 für den Goldschmied Gottfried Berger errichtet. Gut 150 Jahre später entsteht auf dem Hof ein Tanzsaal, von dem nur noch eine Außenmauer auf dem zweiten Hof zeugt. Nachdem ein Eigentümer zu Weihnachten 1983 versucht hat, das Gebäude illegal und unbemerkt abzureißen befinden sich heute alle Gebäudeteile im Besitz des Bezirks. Ein Teil der Räume wird seit 2004 vom Förderverein Keramik-Museum für Ausstellungen genutzt.

Keramik Museuem in Berlin Charlottenburg, das älteste noch erhaltene Wohnhaus im Bezirk

Keramik Museuem in Berlin Charlottenburg, das älteste noch erhaltene Wohnhaus im Bezirk

Der Eintritt von zwei Euro ist schon deswegen gut investiert, weil Haus und hof derart charmant sind, dass es einem schier die Sprache verschlägt. Wie eine kleine unverhoffte Zeitreise fühlt sich der Gang über den gepflasterten Hof an. Rechter Hand führt eine hölzerne efeu-umrankte Treppe ins Kabinett, wo aktuell sehr sehenswerte zeitgenössische Kermaik aus Slowenien gezeigt wird.  Im Sommer feiert das Museum bzw. der Verein Geburtstag und wir freuen uns schon auf einen Besuch mit Blättern an den Bäumen.

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1. Hof im Keramik Museum

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2. Hof mit der verbliebenen Außenmauer des ehemaligen Tanzsaals

 

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Statuen im Schlosspark

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Teehaus Belvedere im Park des Schloss Charlottenburg

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