Die Akademie des jüdischen Museums/Lindenstrasse


Die Eröffnung des Erweiterungsbau des jüdischen Museums liegt zwar schon zwei Monate zurück, aber noch immer wird an allen Ecken gebaut und gewerkelt. Die ehemalige Blumengroßmarkthalle (Wikipedia) wurde, genau wie das auf anderen Strassenseite gelegene Hauptgebäude des Museums, von dem Architekten Daniel Libeskind gestaltet. Ein Kommentar zu dem Museum, der einem immer wieder begegnet geht in die Richtung: „Toller Bau, aber die Ausstellung kann leider nicht mithalten“. Eine Sichtweise, der man sich durchaus anschließen kann und die der Akademie auch droht. Typisch für Libeskind: kaum ein rechter Winkel im ganzen Haus, trotzdem klare Formen und immer wieder neue Perspektiven, die sich durch Durchbrüche und Einschnitte in den Wänden ergeben, der erste Eindruck gefällt.

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Die Gestaltung der Akademie wurde zusätzlich erschwert durch die Tatsache, dass eine Fülle ganz unterschiedlicher Nutzungen in einem riesigen leeren Kubus untergebracht werden mussten. Da hier hauptsächlich gearbeitet werden soll und neben der Bibliothek mit über 20.000 Bänden auch Seminar-Räume und Büros für wissenschaftliche Mitarbeiter eingerichtet werden mussten, hat sich Libeskind (Wikipedia) entschlossen, dem großen Würfel eine Reihe Kleinerer einzuverleiben. Die Gestaltung mit seinen Holzverschalungen erinnern hierbei ein wenig an Überseekisten und könnten sicher als Anspielung auf die jüdische Diaspora verstanden werden.

Für diese Interpretation spricht auch, dass der grösste Teil des Innenraums durch den „Garten der Diaspora“ vereinnahmt wird, in dem Pflanzen aus allen Ecken der Welt gedeihen. Hier und in der zur Akademie gehörenden Küche sollen Schüler und anderen Besuchergruppen künftig auf die Bedeutung der Diaspora im Alltag der Menschen aufmerksam gemacht werden. Manch lieb gewonnene Essgewohnheit musste aufgegeben werden, weil die heimischen Pflanzen in fremder Erde einfach nicht gedeihen wollten. 

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass die einzelnen Kuben in der Halle auch ein Symbol für die Spannung zwischen Vergangenheit und Gegenwart seien. Ehrlich gesagt erschließt sich mir diese Interpretation wenn überhaupt aus der architektonischen Verbindung von neu und alt, aber das trifft wohl auf jeden modernen Um- bzw. Ausbau eines alten Gemäuers zu. 

Öffnungszeiten und alle Infos zu Programm und Konzept findet Ihr auch auf der Homepage des Jüdischen Museums.

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