Martkhalle IX Streetfood Thursday


Mitten im Wirkungsgebiet unserer Kreuzberg Touren liegt die Markthalle IX. Neben der Markthalle IX sind in Berlin heute nur noch 2 weitere Markthallen in Betrieb, alle anderen sind entweder im Krieg zerstört oder später abgetragen worden. 1891 eröffnet, bot die Markthalle ursprünglich Platz für bis zu 300 kleinere Stände. Nach dem Krieg und der Beseitigung der gröbsten Schäden kam der Marktbetrieb schon in den 50er Jahren wieder in Gang, wenn auch nur langsam aufgrund der Rationierung von Lebensmitteln.

Ab den 70ern mussten immer mehr kleinere Läden und Händler aufgeben und die Markthalle geriet in die Hände von Discountern wie ALDI oder kik, damals war  Kreuzberg, verglichen mit heute, deutlich ärmer und strukturschwächer. Jedenfalls hätte man in den 70ern sicher nicht unbedingt mit Biogemüse und Delikatessen punkten können.

Die ursprünglichen Pläne aus dem Jahr 2010 die Halle abzureißen und ein Einkaufszentrum zu errichten, konnten glücklicherweise gestoppt werden. Zu verdanken haben wir das unter anderem Nikolaus Driessen, Florian Niedermeier und Bernd Maier. Nicht ganz unwichtig in diesem Zusammenhang war auch die beim Senat sich langsam durchsetzende Erkenntnis, dass Berlin eben mehr braucht als nur den 184. H&M. So kam es, dass die drei mit Ihrer „Projektgruppe Markthalle IX“ dank eines überzeugenden Konzeptes den Zuschlag beim Verkauf des Gebäudes erhielten.

Kein Bier und gesund? Na gut, wir machen eine Ausnahme im Dienste der Wissenschaft. Ganz im Sinne der Slow-Food-Bewegung versuchen sie seitdem in der Diskussion über Lebensmittel eigene Impulse zu setzen. Hierbei steht die regionale Erzeugung im Mittelpunkt und das Verständnis, dass die Herstellung guter Lebensmittel ein anspruchsvolles Handwerk darstellt. Währenddessen ist bei vielen Produkten aus unseren Supermärkten das Einzige, das wirklich was mit Essen zu tun hat, das Produktphoto auf der Verpackung. 


Um dem etwas entgegen zu setzen, gibt es seit 2011 nicht nur den Wochenmarkt, jeweils Freitag und Samstag, sondern auch Spezialmärkte – manchmal auch mit Kleidung, Design etc., mehrere Stände/Betriebe die jeden Tag geöffnet sind, wie die Kantine Neun und eben seit April 2013 auch den Streetfood-Thursday, jeweils ab 17 Uhr.

Die Grundidee ist bestechend einfach: man nehme eine schöne alte Markthalle in Kreuzberg, stellt einen Haufen Tische in die Mitte und lecker Essen drum rum. Das Angebot ist riesig, an Dutzenden Ständen wird von brandenburgischen Tapas über jamaikanische Hibiskusgetränke bis zum Kartoffelpuffer so ziemlich alles an Leckerlis geboten, was man sich nur wünschen kann. Und eine ganze Menge mehr – die Hälfte der angebotenen Gerichte hab ich vorher noch nie gesehen, geschweige denn gekostet, z.B. die brasilianischen Hühnerbällchen. Eins der Highlights und ständiger „Bewohner“ war für uns auf jeden Fall die Crew von Big Stuff , einem Stand mit professionellem Räucherofen. Schweine und Rindfleisch wird so lange und zart im Rauch gegart, dass es einfach auseinander fällt. Dazu noch eine leckere Barbecue-Soße und der rauchige Geschmack kann sich so richtig entfalten. Definitiv nichts für Vegetarier.

 

Die Anbieter ordnen sich irgendwo zwischen Privatmenschen ein, die dank kitchen-surfing und der Markthalle Ihr Können einem größeren Publikum als dem eigenen Freundeskreis vorstellen können, bis hin zu alten Gastroprofis. Wirklich toll und mal was anderes als der immer gleiche Premium-Bier-Einheitsbrei ist das vor Ort gebraute Bier von Heidenpeter, der (was auch sonst) eigentlich Künstler ist.
Wir empfehlen auf jeden Fall lieber etwas früher zu kommen, sich mit ein paar Leuten einen Tisch zu sichern, und dann einfach immer ein-zwei Freunde loszuschicken und für alle ein paar leckere Überraschungen zu besorgen. Mit der Methode kann man sich ganz entspannt über Stunden der Völlerei widmen ohne dass es langweilig oder stressig wird.


Abendstimmung in der Halle Ohne jetzt auf weitere Einzelheiten einzugehen – es war einfach alles, was wir probiert haben superlecker – möchten wir vor allem das Event als solches loben. Es macht einfach wahnsinnig viel Spaß, sich immer wieder auf den Weg durch die Halle zu machen, sich inspirieren zu lassen und sich dabei den Bauch vollzuschlagen. Die Atmosphäre in der Halle ist entspannt und die Location an sich ein absoluter Hammer. Auch wenn wir inzwischen etwas genervt von selbsternannten Gourmetbloggern sind, die jede Pommes einzeln fotografieren, geht so ein Beitrag natürlich nicht ganz ohne Food-Fotografie. Das bleibt aber ein Einzelfall – versprochen.

Also; Jeden Donnerstag ab 17 Uhr zwischen Eisenbahn- und Pücklerstraße.