Fläming-Radtour


Rund um Jüterborg

Bei Berlin on Bike arbeiten nahezu ausschließlich Radfahrer aus Leidenschaft, was bedeutet, dass wir es geschafft haben eine der schönsten Nebensachen der Welt zu einem Teil unseres Berufs zu machen. Leider bedeutet das aber auch, dass wir in der schönsten Radfahrerzeit nur selten dazu kommen, selber auf Expedition zu gehen und uns letztlich auf mehr oder weniger ausgetretenen (vielmehr –gefahrenen) Pfaden bewegen. Umso schöner, wenn uns ein Auftrag die Gelegenheit gibt, mal etwas Neues zu sehen, zu recherchieren oder womöglich sogar während der Saison mal aus der Stadt rauskommt.

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Postkartenreife Brandenburg-Idylle – trotz Auto.

Gastbeitrag von Andrea

So geschehen im vergangenen August. Über insgesamt 3 Tage durften wir eine Gruppe fröhlicher Zweiradfahrer zwischen 50 und 84 durch den Fläming guiden. Im Folgenden lest Ihr Andreas Bericht mit vielen spannenden Infos.

Fläming? Was ist das? Wo ist das? Kann man das Essen? Flamkuchen? Schon mal klar, das liegt in Brandenburg. Und weiter?

Kann man da überhaupt Fahrrad fahren? War da nicht etwas mit viel Sand in der Gegend? Schnell war klar, ich brauche eine Starthilfe und zum Glück gibt es ja super ambitionierte Kollegen, in diesem speziellen Fall Björn, der hat sogar schon eine Masterarbeit darüber geschrieben.

Jetzt war ich gespannt. Wir trafen uns und nach 1h hatte ich schon ein erstes Gefühl für die Gegend:

sandig, leer, Feldsteine, Kirchen, Mittelalter.

Aha!

Aber in diese Richtung recherchierte ich dann und so entstand folgendes Bild mit 3 Tagestouren um die 50km je Etappe.

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Basisinfo Teltow-Fläming

Unsere Radtour geht durch das Gebiet Teltow-Fläming, eine mittelalterlich geprägte Landschaft zwischen der Teltow Erhöhung im Norden und dem Fläming im Süden, wobei man noch den Hohen Fläming und den Niederen Fläming unterscheidet, wobei ersterer das Plateau westlich von Jüterborg beschreibt und Letzterer das Gebiet östlich davon. Beiden gemein sind Ihre leichten sandigen Böden und das viele Wasser – nicht gerade ideale Voraussetzungen für profitable Landwirtschaft.

Insgesamt leben ca. 165.000 Einwohner im Gebiet Teltow Fläming auf 2.092qkm, wobei sich Wald und Felder etwa die Waage halten. Verglichen mit Berlin gibt es hier sogar richtige Berge, auch wenn die mit max. 178m (Golmberg) anderswo eher als Hügel bezeichnet würden. Neben 20 Seen, durchschneiden die Flüsse Nuthe, Nieplitz und Dahme den Fläming. Wie große Teile Brandenburgs ist die Gegend im Zuge der Ostkolonisierung im 11. Und 12. Jahrhundert im großen Stile urbar gemacht worden und dank unzähliger Feld- und Bruchsteinkirchen bis heute mittelalterlich geprägt. 

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Geschichte des Fläming

Die Bevölkerung in Deutschland alleine wächst und wächst und wächst zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert von rund vier Millionen auf 12 Millionen. Die Ostkolonisation beginnt. Ein weiterer Grund ist die Problematik, dass damals noch das Recht in Adels Familien galt, dass nur der Erstgeborene erbte. Auch für diese sollte neues Land gefunden werden.

Also bewegte man sich. Entweder Richtung Alpen auf die Berge oder Richtung Osten.

Man lockte die Menschen förmlich in ein Land wo Milch und Honig fließt. Hätten sie gewusst was auf sie zukommt, hätte der ein oder andere den weiten Weg vielleicht nicht angetreten: der alte Fritz nannte dieses Gebiet nicht ohne guten Grund „Streusandbüchse“.

Heute ist von der Explosion wenig zu spüren, zwar wächst der Landkreis langsam und stetig, das ist wohl jedoch zum Großteil auf Berliner zurückzuführen, die der Stadt entfliehen möchten und die Verwaltung geht davon aus, dass sich dieser Trend umkehren wird, wobei Zentren wie die ehemalige Garnisonsstadt Jüterbog und Luckenwalde Ausnahmen bilden, in denen sich das Wachstum fortschreiben wird.

Mit den Menschen kamen die Kirchen

Die vielen Neu-Siedler aus der Altmark, aus Flandern oder vom Niederrhein waren oft stolz auf ihre neue Heimat, nicht nur in der Stadt Brandenburg. Auch in jedem Dorf, das sich neu gründete – mit einer eigenen Kirche! Das hatte es in ihrer ursprünglichen Heimat meist nicht gegeben. Noch dazu eine Kirche aus Stein, damals ein Zeichen für Wohlstand. Stein überdauert die Zeiten, anders als Holz. So haben sich bis heute die meisten mittelalterlichen Dorfkirchen (Feld- und Bruchsteinkirchen) Brandenburgs erhalten – unglaubliche 850 gibt es im Land Brandenburg, gut 100 davon alleine im Fläming. Den Namen hat das Gebiet von den Flamen, den niederländisch sprechenden Bewohnern in Belgien.

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Weite Felder, roter Backstein und Angerdörfer

Zwischen gelben abgeernteten weiten Feldern, grünen Alleen, tiefroten Backsteinbauten, grauen Feldsteinkirchen, kleinen Straßendörfern und Angerdörfern erwartet uns vor allem eine von blauem endlos weitem Himmel überspannte Landschaft, Hektik und Lautstärke sind in Berlin geblieben.

Kaum zu glauben, aber bis nach Jüterbog unserem Startpunkt kann man direkt vom Südkreuz Berlin mit der Bahn fahren. Wenn man hier aussteigt ist man in einer anderen Welt und Zeit… wir sind im Mittelalter.

Genau genommen auf den Spuren der Reformation. Einer 1000 jährigen Stadt die auf halber Strecke zwischen dem Venedig des Ostens (Leipzig) und Spree-Athen (Berlin) liegt. Von hier aus könnte man sich auf den Luther-Tetzel-Weg auf machen, aber wir wollen ja Radeln. Jüterbog erinnert tatsächlich ein wenig an Norditalien mit den Bürgerhäusern aus dem 16./17. Jahrhundert, dem ältesten Rathaus Brandenburgs, der Stadtmauer mit den zum Teil noch vorhandenen Toren und natürlich der Nikolaikirche aus dem 14. Jahrhundert mit ihren fast 70m hohen unterschiedlich gestalteten Türmen.

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Jüterbog ist mit dem Wirken des Mönches und Ablasspredigers Johann Tetzel (1465–1519) einer der authentischsten Orte der Reformationsgeschichte in Brandenburg. Tetzel verkaufte Anfang des 16. Jahrhunderts seine Ablassbriefe in Jüterbog, nachdem ihm der Verkauf im nahen Wittenberg verwehrt wurde. In der Reformationsgeschichte stehe die Stadt Jüterbog vor allem für das Auftreten des Ablasskommissars Johann Tetzel. Über den Handel mit Ablass nahmen die katholische Kirche und ihre Bischöfe Geld unter anderem für den Bau von Kirchen ein. Die Käufer der Ablassbriefe wollten sich damit von Sünden befreien.

Zwar war Martin Luther selbst niemals in Jüterbog, doch ohne die Kleinstadt wäre die Reformation wohl ganz anders verlaufen. Anno 1517 nämlich macht der Dominikanermönch Johann Tetzel Station in Jüterbog. Ein begnadeter Redner, dessen aufsehenerregende Predigten immer wieder große Mengen von Gläubigen anlocken. Und ein gewiefter Verkäufer, der die Befreiung von Sünden verspricht – gegen bare Münze. Sein Leitspruch „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt„. Jede Sünde hatte bei ihm angeblich einen festen Preis: So soll die Vergebung für einen Mord acht Dukaten gekostet haben, während ein Ehebruch schon für sechs Dukaten zu haben war. Belegt ist, dass Tetzel seine „Tarife“ sozial gestaffelt hatte; arme Leute mussten weniger zahlen als Reiche.

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In Jüterbog nun soll Tetzel einen Ablass unter die Leute bringen, der möglichst schnell möglichst viel Geld zum Bau des Petersdoms in Rom in die Kassen der Kirche spült. Der fette Köder ist ein allerhöchster, weil päpstlicher Ablassbrief, mit dem man die Verbüßung von Reinigungsstrafen im Fegefeuer nicht nur verkürzen, sondern sogar ganz umgehen kann, also direkt und ohne schmerzhafte Umwege ins Paradies gelangt. Unter anderem.

Dieser attraktive „heilige Handel“ zieht Gläubige in Scharen nach Jüterbog. Selbst aus dem nahen Wittenberg kommen sie gepilgert, um in den Genuss dieses universalen Ablasses zu gelangen. Das nun bringt Martin Luther, der in Wittenberg predigt und lehrt, gehörig auf die Palme. Seit längerem schon wettert er wider den Missbrauch von Ablässen, aber dass nun die Schafe aus seiner eigenen Herde in Jüterbog fremd weiden, wurmt ihn gewaltig. Und mehr noch: Dass sie ernsthaft glauben, aller Sünden ledig zu sein für ein paar Gulden und durch einen Fetzen Papier, setzt dem Ganzen die Krone auf. Empört schreibt er seine 95 Thesen und schlägt sie an der Schlosskirche zu Wittenberg an. So geschehen am 31. Oktober 1517. Und so die Legende.

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Aber nun wollen wir radeln!

Unsere 1. Etappe führt uns entlang an Obstplantagen, die schon Friedrich Wilhelm I. Im 18. Jahrhundert anlegen ließ. Reiseproviant in Form von Kirschen, Birnen, Äpfeln und Pflaumen laden zum Mundraub ein, der hier nicht nur ausdrücklich erlaubt sondern sogar erwünscht ist. Gerade die Bäume am Wegesrand sind quasi extra zu diesem Zweck gepflanzt worden.

Wir befinden uns auf einer Etappe des Fläming Skate und genießen so wundervoll asphaltierte breite Radwege. „Black Ice“ nennen die Fans den besonders feinen Asphaltbelag der Fläming-Skate, des in Europa einmaligen Wegenetzes für Inline-Skater, Rad- und Rollstuhlfahrer. Rund 230 Kilometer führen die drei Meter breite Bahn und ergänzende, zwei Meter breite Radwege auf verschiedenen Rundkursen durch die reizvolle Landschaft des Niederen Flämings und des Baruther Urstromtals. Fernab von störendem Straßenverkehr geht es vorbei an verträumten Dörfern, ehrwürdigen Feldsteinkirchen, historischen Mühlen und vielen anderen Zeitzeugen der älteren und jüngeren Geschichte. Dabei führt der Weg abwechselnd durch Felder, Wiesen und Wälder.

Mundraub am Wegesrand

Mundraub am Wegesrand


Kloster Zinna:

Erster Höhepunkt auf unserer Route sind das Kloster bzw. Dorf Zinna. Zisterziensermönche im Kloster Zinna wird 1170 durch einen Magdeburger Bischof gegründet. Das Zisterzensier-Kloster, gestiftet 1170 durch den Mageburger Erzbischof Wichmann von Seeburg, entwickelte sich schnell zu einem bedeutenden Wirtschaftsbetrieb und Großgrundbesitzer, 300 qkm umfasste das Klosterland.

Politischer Hintergrund der Gründung war die Absicht des Erzbischofs der benachbarten Südausdehnung der askanischen Herrschaft einen „Riegel“ vor zu schieben. Am Ende des 15. Jahrhunderts besaß das Kloster 39 Dörfer, 14 Mühlen, eine Pechhütte und und eine Ziegelei. Das Kloster Zinna war so wohlhabend, dass es zum größten Kreditgeber der Markgrafen von Brandenburg wurde. Infolge der Reformation war es dann aber 1553 endgültig vorbei mit dem Klosterleben. Heute sind vom Kloster noch die Abteikirche, das Siechenhaus, das Zollhaus und ein Gästehaus erhalten.

Im Jahre 1764 veranlasste Friedrich der Große auf dem Klostergebiet die Gründung der Plansiedlung Zinna und siedelte Handweber an. So wurde Dorf Zinna zu einem Weberdorf. Die ehemalige nahegelegene Klosteranlage wurde zum Großteil demontiert und als Baumaterial zum Aufbau des Dorfes verwendet. Damals entstand diese Siedlung auf preußischem Grund, während das nur 4km entfernte Jüterbog zu Sachsen gehörte. Es entstanden Häuser für 169 Familien, Häuser und Boden wurden an die Kolonisten verschenkt, Umzugskosten wurden übernommen und die Siedler erhielten 10 Jahre Steuerfreiheit. So wollte man den angrenzenden Sachsen die Attraktivität Preußens vor Augen führen. Zu Reichtum kamen die Zinnaer jedoch nicht. Der bald einsetzenden Industrialisierung hatten die Handweber nichts entgegen zu setzen.

 Der Zauber von Schloss Stülpe

Stülpe? Zugegeben, ich kannte den Ort bis vor kurzem überhaupt nicht. Denn auf den ersten Blick ist Stülpe ein unscheinbares märkisches Dorf in Brandenburg. Die nächste größere Stadt im Umkreis ist Luckenwalde und in Stülpe fährt man eher durch als dort anzuhalten. Es sei denn man kennt das dortige Barockschloss Stülpe.

Wahrscheinlich stand hier schon im 12. Jahrhundert eine Burg, die der Magdeburger Erzbischof anlegen ließ um den Übergang durch das Urstromtal zu sichern. Richtig entwickelte sich das Gut aber erst nach dem Ende des 30-jährigen Kriegs 1648 dank des Erwerbs durch das Geschlecht derer von Rochow. Dessen Vertreter Adam Ernst von Rochow errichtete dann Mitte des 18. Jahrhunderts das noch bis heute erhaltene barocke Schloss.

Die Zäsur kommt im April 1945. Der Hausherr drängt die Familie zur Flucht und am 20. April brechen seine Frau, Irmgard von Rochow, und die drei Söhne (der älteste Sohn war im Krieg gefallen) schließlich auf, um im Westen Zuflucht zu suchen. Noch rechtzeitig, denn schon kurz darauf treffen die ersten russischen Spähtrupps in Stülpe ein. Hans Wichard von Rochow bleibt in der Heimat und stirbt im Mai 1945 in einem Waldstück bei Berlin.

Nach Kriegsende ereilte dem Schloss dasselbe Schicksal wie vielen anderen herrschaftlichen Gütern in Brandenburg. Zunächst wurde das Herrenhaus geplündert und schon bald darauf erfolgte die Enteignung des Besitzes in Stülpe samt der dazugehörigen Güter in Plessow und Klessen. Zuletzt wurde das Stülper Herrenhaus als Pflegeheim genutzt. Nachdem es 1999 zu einem Brand im Schloss kam, setzte der Verfall ein.

Die Wiedergeburt kam 2006, als Barbara und Wolfgang Rupilius das Schloss kauften. Bei der Sanierung ging das Ehepaar mit viel Liebe zum Detail vor. So sammelten sie für die Reparatur des Daches nicht mehr benötigte Biberschwänze in den umliegenden Dörfern. Für die Ausstattung der Räume trugen sie Antiquitäten aus ganz Europa zusammen, die jedem Zimmer eine ganz individuelle Note verleihen. Vorbei ist es mit der Sanierung aber immer noch nicht, wie Frau Rupilius in einem Gespräch betonte. Es gibt immer noch viel zu tun.

Die Schlossbesitzer Barbara und Wolfgang Rupilius haben nicht nur das Schloss, sondern auch die dazugehörigen Gebäude aufwendig restauriert. 100 Betten können sie ihren Gästen zur Verfügung stellen. Zum Anwesen gehören neben dem Haupthaus auch mehrere Wirtschaftsgebäude, in denen heute Ferienwohnungen eingerichtet sind. Der Schlosspark ist 12 ha groß und hat einen Kräutergarten. Um die Gäste regional und ökologisch bewirten zu können bauen die Besitzer dort neben Kräutern auch seltene Gemüse an, die dann direkt von der Schlossküche verarbeitet werden.

Eine weitere Besonderheit auf Schloss Stülpe ist der historische Pferdestall. Dieser ist mit schwarz-weissem Wandfliesen aus Meißner Porzellan wahrhaft königlich ausgestattet und zeugt von der Leidenschaft der ehemaligen Besitzer für Pferde.

Hollywood in Brandenburg

Ein russischer Sommer„, die Verfilmung eines Romans über das letzte Lebensjahr des russischen Schriftstellers Leo Tolstoi mit Helen Mirren in der Hauptrolle, wurde unter anderem in Stülpe gedreht. Das ZDF produzierte im Stülper Herrenhaus das Filmdrama „Ein weites Herz“ mit Nadja Uhl und Iris Berben. Und auch für die amerikanische Fernsehserie „Homeland“ diente Stülpe zeitweise als Kulisse bei den Dreharbeiten. Hollywood in Brandenburg!

Ort Dennewitz:

320 Einwohner soll der Ort haben und ist damit eine der kleinsten Gemeinden Brandenburgs. Und wenn man hier nicht dem Retter von Berlin ein Denkmal gesetzt hätte, dann würden wir hier kaum eine Pause machen: Friedrich Bülow von Dennewitz, einem der bedeutendsten Generäle der Befreiungskriege gegen das napoleonische Frankreich. Nie hat er eine Schlacht verloren, er hat Montmartre in Paris erstürmt und mit Tauenzien konnte er bei der Schlacht in Dennewitz die Franzosen so schwächen, dass Berlin gerettet war.

Hier entspringt dann auch noch die Nuthe, die nach gerade einmal 66km bei Potsdam in die Havel fließt. Eigentlich ist die Nuthe nur ein kleiner Bach aus denen Fischern vor der Kanalisierung die berühmten Nuthe Krebse fischten und bis nach Paris als Delikatesse exportierten.

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Markendorf:

war Übungsplatz des preußischen Militärs. Zu Beginn des ersten Weltkriegs wurde hier eine Minenwurfschule errichtet mit dem Ergebnis, dass das Gelände von Landminen zerstört und mit Kampfgas verseucht war. Danach hat man das Gelände aufgeforstet und zu einer Wohnsiedlung umgebaut. Nach dem 2. Weltkrieg besetzte es die Rote Armee und das Gut Markendorf ist noch heute wegen Verminung unzugänglich.

Künstlerhaus Schloß Wiepersdorf

Die Adelsfamilie von Arnim ist nach der von Bülow eine der zahlenstärksten Adelsfamilien.

Bettina und Achim von Arnim lebten hier und sind hier beigesetzt. Achim von Arnim hinterließ eine Fülle von Dramen, Novellen, Erzäulungen, Romanen und Gedichten. Einer der bedeutendsten Vertreter der Romantik. Mit seiner Frau Bettina von Arnim hat er 7 Kinder. Die Arnims waren bis zu seinem plötzlichen Tod 1831 zwanzig Jahre verheiratet. Das Paar lebte überwiegend getrennt – während Bettina in Berlin lebte, bewirtschaftete Achim das Gut Wiepersdorf.

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Bettina von Arnim zog es immer wieder nach Berlin, wo sie sich auch sozial engagierte. Sie lernte Marx, Goethe und die Brüder Grimme kennen und erkannte die Missstände ihrer Zeit. Sie hat die Not der Arbeiter offenkundig gemacht, sich für politisch Verfolgte eingesetzt und dabei den Unwillen der Mächtigen hervorgerufen. Sie war leidenschaftlich und kreativ, ein Beispiel für eine mutige Frau, die mit ihrer Begabung Einfluss auf ihre Gesellschaft nehmen konnte, zu einer Zeit, als Frauen wenig mehr als ein Platz am Herd zugedacht war.

Während der Cholera Epidemie in Berlin unterstützt Bettina bedürftige Menschen. Sie kehrt in Frankfurt das Pflaster vor den Häusern der Juden gegen den Protest ihrer Freunde. Sie ergreift Partei für die Brüder Grimm, die aus Göttingen vertrieben worden waren. Sie setzt sich für einen verhafteten Demokraten ein und sie richtet für einen polnischen Revolutionär ein Gnadengesuch an den König.

Wegen angeblicher Beleidigung einer Behörde wird Bettina zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, kann sich aber ungestraft auf ihr Gut Wiepersdorf zurückziehen. 

Die Revolution von 1848 lässt Bettina auf eine demokratische Verfassung hoffen, aber sie wird enttäuscht. Sie ist zornig über den König. 1835 war Goethes Briefwechsel mit einem Kinde erschienen. Den Druck ihres Armenbuchs bricht sie wegen Repressionen ab. Nach Zensurstreitigkeiten erscheint 1843: Dies Buch gehört dem König. Sie schreibt, dichtet, zeichnet und komponiert. Sie besucht Beethoven in Wien, der eine Reihe Goethe’scher Texte vertont hatte. Bettina scheut sich nicht, in ihren Entwürfen für die Wandmalereien in der Vorhalle eines Museums, ihre Figuren nackt zu zeichnen. Der Architekt Karl Friedrich Schinkel hat eine Sammlung ihrer Entwürfe aufbewahrt. 1859 stirbt Bettina von Arnim und wird neben ihrem Mann an der Kirche auf dem Gut Wiepersdorf beigesetzt.

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Bettina Encke von Arnim schafft es nach dem 2. Weltkrieg, dass das Gebäude nicht an Aussiedler übergeben, sondern Künstlern zur Verfügung gestellt wird. Im August 1992 wird es als Künstlerhaus Schloß Wiepersdorf neu eröffnet. Zur Zeit werden die Gebäude saniert und sind geschlossen. Seit 2006 ist die Deutsche Stiftung Denkmalschutz verantwortlich für das Areal.

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Ort Petkus

Genug Geschichte und Sehnsucht nach etwas besonderem zur Erfrischung? Noch nicht ganz, denn man sollte schon wissen warum das Roggenbier hier etwas Besonderes ist. Petkus, das Gutshaus und die Familie v. Lochow stehen in einer langen Tradition der Landwirtschaft. Friedrich von Lochow III (1849 – 1924) war sehr unzufrieden mit den Ernteergebnissen auf den überwiegend sandigen und leichten Böden der Mark. Daher widmete er sich der Züchtung von Roggen und anderen Getreidesorten. Durch ständige Auslese der Besten und deren Kreuzung entwickelte er eine Roggensorte, die auch auf leichten Böden gute Erträge brachte. Bei seiner Züchtung war er so erfolgreich, dass 1944 etwa 90 % des deutschen und 50 % des weltweiten Roggensaatgutes aus Petkus kamen. Er war ein echter Roggenkönig.

Zum Wohl dann bei einem kühlen Roggenbier.

Lust bekommen? Wenn auch Sie im Zuge Ihres Berlin-Besuchs das Umland erkunden wollen, schreiben Sie uns eine Mail, gern erstellen wir Ihnen ein individuelles Angebot nach Ihren Wünschen, z.B. 1 Tag Sightseeing in Berlin, 2 Tage Spreewald/Havelland und zum Abschluss noch ein Spezialthema wie Street Art oder Bike & Bite.

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