Das neue Yaam: zwischen Streetart und Stasikeller


the-new-yaam-5Mittlerweile ist die eigentliche Eröffnung des Yaam am neuen Standort auch schon über die Bühne gegangen, die ersten Konzerte gespielt und die Kid’s Corner erobert. Vor einigen Wochen wurde jedoch noch fleißig gewerkelt und vor allem gepinselt. Am letzten Mai-Wochenende wurde zum Urban Art BBQ geladen und einige der derzeit profiliertesten Street-Artisten Berlins sind dem Ruf gefolgt: El Bocho, Juliah, Sokar, Falkland und einige Andere deren Namen ich zwar bislang nicht in Erfahrung bringen konnte, die aber durch ihr Werk aufgefallen sind.

The Art of Yaam – Streetart’s Finest

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Grundsätzlich hat sich am Konzept wenig geändert: entspannt am sonnenbeschienenen Spreeufer hocken, den Kreuzbergern am anderen Ufer winken und bei schönem Reggae und JuJu-Bier so tun, als wär man im Urlaub. Das hat, obwohl zu dem Zeitpunkt überall noch gebaut wurde und die Gastro erst eingeschränkt bespielt wurde, schon mal sehr gut geklappt.  Nach einem ersten Rundgang, um die neue Kunst in Augenschein zu nehmen, sind wir mit ein paar der Leute ins Gespräch gekommen. Ausgangspunkt war die Frage, wo denn die ganzen Platten für diese farbenfrohe Deko herkommen:

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Es stellt sich heraus, dass die vorherigen Nutzer, der ElektroClub Magdalena einiges in den umfangreichen Kelleergewölben zurückgelassen hat, u.a. eben ein paar 100 Promoplatten.  Angesichts der Größe des Kellers verwundert es auch nicht wirklich, dass man zur Lösung von Abwasserproblemen auf ebenso simple wie unappetitliche Lösungen verfallen ist. Lasst Euch nur soviel gesagt sein: dieser Teil des Kellers wird wohl auf absehbare Zeit nicht sinnvoll genutzt. Nicht schön, aber schon eine spannende Geschichte. Was dann kam, war allerdings ein ziemlicher Hammer.  Nicht nur gäbe es einen unterirdischen Gang, der direkt vom Yaam in/unter den Ostbahnhof führt, sondern offensichtlich auch eine Art Überwachungszentrale oder zumindest eine Lagerstätte für entsprechende Technik.  Dank meines besten Bitte-Bitte-Bitte-Gesichtes (eine Mischung aus ungläubigen Staunen, dem Versprechen aus ewige Dankbarkeit und drohender Totalenttäuschung) haben wir uns schließlich mit ein paar Anderen auf dem Weg in den Untergrund gemacht und das hier gefunden:

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Ich meine mich zu erinnern, dass ein paar von diesen Dingern schon in der Magdalena über der Tanzfläche hingen, das hätte also durchaus noch Zufall sein können, aber in einem Nebenraum standen noch einige alte Bandaufzeichnungsgeräte rum. Angesichts der nahen Grenze scheint es nicht allzu weit hergeholt, dass hier vor 25 Jahren noch die Staatsorgane auf Horchposten hockten. Vielleicht weiß ja irgendjemand mehr drüber. 

Stasikeller* im Yaam?

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Wir haben lange überlegt, ob wir diese Bilder/Geschichte überhaupt veröffentlichen sollen. Es besteht natürlich die Gefahr, dass das Yaam demnächst von diversen Historikern, Opfern, Tätern und Hobby-Archäologen belagert wird. Andererseits ist das ja schon so ein kleiner Coup. Ursprünglich wollten wir daher zunächst mehr über die Vergangenheit des Grundstücks rausfinden, um gleich noch ein paar Hintergrundinfos liefern zu können. Während der Hauptsaison ist es allerdings ziemlich illusorisch, dass Einer neben allem Anderen noch die Zeit findet ins Archiv zu steigen. Wir holen das hoffentlich nach und wenn einer von Euch was weiß, freuen wir uns über jeden Infohappen, mit dem Ihr uns füttern könnt. Sachdienliche Hinweise belohnen wir mit einem Getränk unserer Wahl bei uns auf dem Hof.

Zum Abschluss noch ein paar schlichte Außenaufnahmen der neuen Heimat des Yaam an der Schillingbrücke:

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Ride Safe!

Sascha

* Wir haben natürlich bislang nicht die leiseste Ahnung obs wirklich das MfS war, aber das Wort ist einfach zu schön, um es nicht noch ein paar Mal zu schreiben.

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