Technik: Loopwheels


Es geschieht nicht jeden Tag, dass jemand guten Gewissens behaupten kann, er hätte das Rad neu erfunden, aber bei dem was sich Industrie-Designer Sam Pearce ausgedacht hat, kann man das eigentlich gar nicht anders formulieren.

Jeder, der mal mit bleistiftdünnen auf 8 Bar gepumpten Rennradreifen über ordentliches Kopfsteinpflaster gefahren ist, wird schnell genervt sein von dem Gerüttel – ganz zu schweigen von den schmerzenden Handgelenken. Die Aufgabe, den Komfort seines Rads zu verbessern, lösen viele von uns, indem sie einfach dicke Reifen montieren. Das geht relativ schnell, ist billig und je konsequenter man das betreibt, umso anstrengender wird das. Hinzu kommt, dass auch diese Methode Ihre Grenzen hat: Bordsteine ungebremst raufzudonnern sollte man sich trotzdem sparen. Mit einem gefederten Rad ist das kein Problem. Gute Federgabeln und Dämpfer sind aber nicht nur schwer, sondern teuer und wartungsintensiv.

 

 

Sam erste Kritzelei zu der Idee Manchen Leuten kommen die guten Ideen auf dem Klo, Mr. Pearce saß auf dem Flughafen und beobachtete wie eine Frau mit Kinderwagen an kleinen Kanten hängen blieb. Also hat Sam sich überlegt, wieso nicht einfach das Rad selbst zur Federung machen? Statt komplett starrer Speichen sollte die Verbindung zwischen Nabe und Felge durch flexible Elemente ersetzt werden. Wie sich herausstellte, eine Idee, die Ingenieure schon seit knapp 100 Jahren beschäftigt, ohne allerdings eine praktikable Lösung zu finden. Insbesondere die Anforderung in der Höhe flexibel aber seitlich starr zu bleiben stand einer Umsetzung bislang im Wege. Dank neuer Materialien und günstiger Fertigungsmethoden ist das jedoch heute kein Problem mehr. Die Rolle der Speichen und Federung übernehmen beim Loopwheel drei Streifen aus Carbon-Composite-Merkmal (was immer das genau sein mag), die von einem Spezialisten für Sportbögen gefertigt und zu Schlaufen gedreht werden.

Bislang funktioniert das nur mit 20″ Rädern (ein 26er ist in der Entwicklung) und auch nur dann, wenn im Rahmen noch genug Platz ist. Die Konstruktion liefert aktuell ca. 45mm Federweg, die das Rad als Freiraum zwischen Reifen und Rahmen/Gabelkrone braucht. Damit an Vorder- wie Hinterrad der Federweg gleichmäßig ausgenutzt wird, sind die Hinterräder deutlich steifer angelegt. Für beide Räder gleichermaßen gilt der Vorteil, dass die Federung nicht linear wie bei einer Federgabel erfolgt, sondern die „tangantiale“ Federung eine Stauchung in jede Richtung ermöglicht. Das könnte z.B. bei der Fahrt gegen einen hohen Bordstein hilfreich sein, oder auch wenn man ungebremst gegen eine Wand fährt.

Ein Thema auf das auch in der ansonsten sehr informativen Crowdfunding-Website, mit der Geld für die Produktion gesammelt wurde nicht zufriedenstellend erklärt wird ist die Seitensteifigkeit. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich die Dinger im Wiegetritt (stehend fahren und dabei schön kraftvoll den Lenker einsetzen) nicht komplett verziehen. Im Zweifel ist das bei der angepeilten Zielgruppe der Klappradfahrer im ersten Schritt auch nicht wichtig, aber wie die geplante Realisierung eines Mountainbike-Laufrads klappen soll ist mir ein Rätsel.

Ein Dahon-Klapprad mit Loopwheels Alles in allem jedoch ein vielversprechendes Projekt mit einer Menge Potential, das Thema Fahrrad einen großen Schritt nach vorne zu bringen, oder was meint Ihr, doch nur die fixe Idee eines talentierten Bastlers? Wir halten Euch auf jeden Fall auf dem Laufenden und melden uns, wenn die Dinger zu kaufen sind. Wer weiß, wenn wir bis dahin genug Leser beisammen haben, kriegen wir vielleicht sogar mal ein Testrad (ein bißchen Träumen muss schon gestattet sein).

Ride Safe!

One Response to “Technik: Loopwheels”

  1. Suhm

    Ja, ich kann diese 20″-Räder gebrauchen – 1 Klapprad und 1 Zerlegerad sowie 2 Aufliegeranhänger wären dankbar.

    Mit freundlichen Grüßen!

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