Wien-Radtour – zwischen Hundertwasser und Hofburg


Wien per Velo – die K.u.K.  Fahrradtour

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Wann immer es sich ergibt, nutzen wir auch unsere privaten Ferien, um fremde Städte kennen zu lernen. Dabei hilft uns die Mitgliedschaft bei Cycle Cities, einem weltweiten Verbund von Unternehmen wie unserem. Im Juli war die Hauptstadt Österreichs an der Reihe.

[Gastbeitrag von unserer Guidesse Jenny, die nicht nur klasse erzählen kann, sondern auch tolle Kunst macht]

Bereits seit 1996 hilft pedalpower Gästen aus aller Welt, die Stadt Wien mit dem Rad zu entdecken. Gegründet von einem Amerikaner, der in den 70er Jahren nach Wien kam, wird das Unternehmen mittlerweile in zweiter Generation geführt. Zentral im 1.Bezirk nahe der Ring-und Kärntnerstraße gelegen, also mittendrin, ist pedalpower gut zu erreichen. Preise sind, wie vieles in Wien, einiges höher als in Berlin. Die Klassische Wien Rad-Tour, also die touristischen Highlights kostet 37 Euro pro Person, liegt also international noch im Rahmen – und schließlich sind in Wien ausschließlich zertifizierte Stadtführer auf den Touren. 

Am Tag der Tour hat es Vormittags ordentlich gegossen, so dass es nachmittags bereits wieder heiß, aber nicht so drückend schwül war. Mit 18 Teilnehmern war die Tour ausgebucht. Alle waren aus dem deutschsprachigen Raum, ein Paar, die mit Tandem fuhren, aus den Niederlanden. Da ich das erste mal in der Stadt war, habe ich die „klassische Wien“ Tour gebucht. Unsere Guide Manuela war gebürtige Wienerin. Die Räder waren sehr gut zu fahren, Warnwesten gab es nicht und auch keine besondere Sicherheitseinweisung. Scheint auch nicht nötig in Wien. Die Leute sind total tiefenentspannt. Zum Teil darf man sogar durch die Fußgängerzone fahren. auch wenn wir mal den Fußweg blockiert haben oder es eng wurde: Kein Gemotze, nix! Die Leute schlängelten sich vorbei, haben noch nicht mal genervt geguckt. Sehr befremdlich! An der Donau ist der Ton eben ein bisschen entspannter als an der Spree

Wien-Radtour-Karlskirche

Unsere Route führte vor allem durch den 1.Bezirk. Es gibt gute Radwege, teilweise mit Gegenverkehr, daher fährt man automatisch hintereinander. Die Radwege sind selten direkt an/bzw. auf der Haupt(auto)Straße. Meistens sind noch Bäume oder parkende Autos als „Puffer“ dazwischen. Erste Station war die Karlskirche.  Auch so ne Stilmixarchitektur, so wie auch die wiener Gesellschaft ist. Aufgrund diesem ehemaligen riesigem Reich der Habsburger ein Schmelztiegel verschiedenster Nationalitäten. Gebaut unter Karl VI. Anfang des 18.Jh. (Vater von Maria Theresia mit der sich „unser“ Friedrich II. später angelegt hat und sich Schlesien einverleibt hat). 

Zwischenstop an der Neuen Hofburg, wobei die geschwungene Fassade angeblich als Vorbild der kgl. Bilbiothek am Berliner Bebelplatz gedient hat.

Zwischenstop an der Neuen Hofburg, wobei die geschwungene Fassade angeblich als Vorbild der kgl. Bilbiothek am Berliner Bebelplatz gedient hat.

An der Staatsoper gab es einen etwas längeren unfreiwilligen Stopp, da einer Teilnehmerin schlecht war. Hat wohl die wiener Torten nicht so vertragen. Aber nach etwas zu trinken und sich übergeben im nächsten Café ging’s weiter auf den Spuren der Habsburger zur Hofburg (Alte und Neue, Spanische Hofreitschule etc.). Die Lippizaner Pferde sind gerade aus ihrem Sommerurlaub gekommen und wer will und viel Geld hat (Karte ca. 75 Euro) kann jeden Samstag zuschauen, wie die Pferde tanzen und hüpfen, wobei jeder Schritt perfekt sitzt. Günstiger ist’s, wenn man zur normalen Übungsstunde kommt. Manuela hat noch die Heiratspolitik des Adels beschrieben, also die Ösis mit den Spaniern und so. Ja, und natürlich Sisi (mit einem „s“ in der Mitte). Es Gibt ein Sisi-Museum und die Leute stehen Schlange, um ihre Turngeräte und Kleider zu sehen. Sisi hat sich im Schloß fast zu Tode gelangweilt und hat sich dann sehr auf ihre Figur konzentriert. Dünn, Wespentaille und härtestes Fitnessprogramm. Die Hofdamen hatten es auch nicht leicht. Nix mit Coauchpotatoedasein und Torten und Schnitzel schlemmen

Auf den Spuren von Sisi.

Auf den Spuren von Sisi.

Am Michaelerplatz, gegenüber der alten Hofburg, befindet sich seit Anfang des 20.Jh. das „Haus ohne Augenbrauen“ von Adolf Loos.  Für die Raiffeisenbank baute er dieses Gebäude ganz ohne Stuck und Schnörkel. (berühmt wurde er auch durch seinen Vortrag „Ornament als Verbrechen“ 1910).

Ornament als Verbrechen hieß Adolf Loos' berühmter Vortrag, der auch in Deutschland den Grundstein für die Entstuckung gelegt hat.

Ornament als Verbrechen hieß Adolf Loos’ berühmter Vortrag, der auch in Deutschland den Grundstein für die Entstuckung gelegt hat.

Weiter ging es die Ringstraße entlang, vorbei an dem gewaltigen Maria Theresien Denkmal, dem Naturhistorischen Museum, am Parlament und Rathaus zum Burgtheater. Jeder Wiener und jede Wienerin, die was auf sich hält hat 2 Abos: Eins für die Staatsoper und eines für das Burgtheater. Was gerade gespielt wird ist aber eigentlich egal, Hauptsache man war da. Laut Manuela hat Claus Peymann die wiener Theaterszene ordentlich aufgemischt und frischen Wind reingebracht. Einen Skandal gab es 1988 als er das Stück „Heldenplatz“ von Thomas Bernhard aufführte, bei dem die Wiener Bürger zur Zeit des Nationalsozialismus thematisiert wurden. War nicht so schmeichelhaft. Große Empörung beim Publikum.

 

Am Judenplatz befindet sich seit 2000 das Holocaustmahnmal. Ein Gebäude, dessen Aussenwände aus Betonbüchern besteht. Die Buchrücken zeigen nach innen, so dass die Titel nicht lesbar sind. 65.000 Wiener Juden wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Am Judenplatz befand sich eine der größten Synagogen Europas. Vorbei am Stephansdom geht’s zum Donaukanal. 

Freitreppe in Wien mit streetart übersäht.

Freitreppe mit grafitti, an einer der wenigen legalen Wände in Wien.

An den Kaimauern darf sich die Sprayerszene austoben. Legal. Daher für viele Sprayer ein Nogo . Ansonsten habe ich fast gar keine streetart gesehen und ich finde Wien auch extrem sauber. Habe in 5 Tagen Wien nur einen kleinen Kackhaufen gesehen! Keine Matratzen auf den Gehwegen, kein Müll. Geradezu unheimlich.

Rad fahren am Wasser ist immer irgendwie besonders schön, natürlich auch am Wiener Donaukanal.

Rad fahren am Wasser ist immer irgendwie besonders schön, natürlich auch am Wiener Donaukanal.

Die Donau ist noch ein Stück weiter entfernt, aber der Donaukanal hat auch schon ganz ordentliche Ausmaße. Am Hundertwasserhaus im 3.Bezirk haben wir eine Pause gemacht. Friedensreich Hundertwasser hat hier ein Gebäude des sozialen Wohnungsbaus äußerlich umgestaltet. Drinnen wohnen ganz normale Leute, denen täglich die Touristenmassen in die Fenster glotzen. Gegenüber kann man sich im Hundertwasser Village mit Kitsch eindecken.

 

Hundertwasserhaus in Wien, Pflichtprogramm auf jeder Sightseeing-Tour in Wien.

Hundertwasserhaus in Wien, Pflichtprogramm auf jeder Sightseeing-Tour in Wien.

Nach einer schnellen (was ja so gar nicht die wiener Art ist) Melange wieder auf die Räder und zur nächsten Station dem Hundertwasser-Museum. Gruppenfoto für Facebook und zurück zu pedalpower. Die Tour hat super Spaß gemacht! Manuela war eine sehr charmante, lustige und kenntnisreiche Guide. Sie sagt, sie will auch mal wieder nach Berlin kommen. Dann wird sie wohl bei Berlin on Bike ne Tour mitmachen (habe ich ihr nahegelegt). Zusätzlich zu den Radtourfotos hänge ich noch ein paar Wienimpressionen an. Wien – super Stadt, macht Spaß, man kommt dick wieder.

 Info Radtouren in Wien mit pedalpower

Pedal Power Tours & Bike Rental

Bösendorferstraße 5

1010 Wien

Während der Hauptsaison von April bis Oktober täglich geöffnet von 9:00 bis 18:00 Uhr

Tel: +43 1 729 72 34
E-Mail: office@pedalpower.at

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Täglich Touren auf deutsch und englisch, andere Sprachen auf Anfrage.

 

 

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